WENIGER IST MEHR | Atelierpavillon in Neuaigen

Neuaigen ist ein Dorf, wie es viele in Niederösterreich gibt. Die Auflösung der traditionellen Dorfstrukturen schreitet voran, die Verwaltung wurde ausgelagert, Nahversorgung ist nicht gegeben und eine Gastronomie rechnet sich nicht. Geselligkeit findet woanders statt, viele der jungen Leute ziehen weg.

Wer sich entschließt zu bleiben, errichtet Neubauten auf Kleinparzellen in Ortsrandlage. Der alte Ortskern bleibt oft sich selbst überlassen und verwaist, manch erhaltungswürdiges Gebäude droht zu verfallen, eine Renovierung hält dem Vergleich zu einem Neubau für Viele nicht stand.

Bewahren der dörflichen Struktur
Ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht, zeigt das Bauprojekt von Monika Rienössl, die eine Kombination von Um- und Neubau bei einem historischen Bestandsobjekt mitten im Ortskern von Neuaigen realisiert hat. Ihr Elternhaus liegt direkt an der Hauptstraße, ein eingeschoßiger alter Bauernhof mit dahinterliegendem Garten und angrenzendem landwirtschaftlichen Gebäude. Im Vorfeld riet man ihr, alles wegzureißen und neu zu bauen. Die Wände waren feucht, die vielen Hochwasser der Donau in den 50er Jahren hatten Spuren hinterlassen und der Grundwasserstand ist in dieser Gegend sehr hoch. Architekt Maximilian Eisenköck entschied sich anders. „Mich hat dieses Projekt von Anfang an begeistert. Ich habe darin auch eine Möglichkeit gesehen, einen Impuls zu setzen: Dass man in Kombination mit Altbestand schöne Architektur schaffen kann und damit gleichzeitig auch einen Anreiz zur Neubelebung alter Dorfstrukturen gibt“, erklärt er seine Motivation.

Definiertes Ziel mit klaren Vorgaben
Der vordere Teil des Hauses wurde belassen und trockengelegt, nur die gartenseitigen alten Stallgebäude mussten zugunsten des neuen Gebäudes im Garten weichen. Das Budget war klar definiert, die Vorstellungen der Bauherrin ebenfalls. An den Altbestand nach alten Mustern anbauen wollte sie nicht, offen in alle Richtungen sollte es sein, luftig, hell und „leicht“. Diese genauen, stringenten Vorstellungen wurden gemeinschaftlich mit dem Architekten

weiterentwickelt, aufgrund der exakten Budgetvorgaben war schnell festgelegt, was realisierbar und was nicht möglich ist, und so konnten viele wichtigen Entscheidungen sehr schnell getroffen werden.
Das Ergebnis ist beeindruckend. Ein Glaspavillon „schwebt“ förmlich über dem Boden, umgeben von einer großzügigen Holzterrasse, die mit dem hervorspringenden Flachdach optisch bündig mit dieser abschließt. 38 schmale, weiße Stahlsäulen tragen Gebäude und Dach, einige haben raumbildenden Charakter, andere sind strategisch so angeordnet, dass man sie kaum bemerkt. Auf der Terrasse definieren sie die Grenze zum Garten, wodurch eine Art Arkadengang rund um den Pavillon entsteht. Charakteristisch für den gewünschten Minimalismus der Bauherrin sind der helle Linoleumboden, dass viele Weiß und klare Linien. „Man wollte, wo es ging, Elemente weglassen und nur minimale Farbakzente setzen“, so Eisenköck.

Herrlicher Ausblick
„Ich hatte nicht „das Traumhaus“ im Kopf und war offen für eine moderne Architektur. Aber traumhaft schön ist der Atelier-Pavillon jedenfalls geworden!“ freut sich Monika Rienössl.

Das Atelier mit einer Galerie hat im alten, renovierten Wohnhaus an der Straße ihren Platz gefunden.

Der Pavillon im Garten ist zum Wohnhaus geworden. Was nicht verwundert. Es bietet herrliche Ausblicke, ist sonnig, ruhig gelegen und holt von drei Seiten die Natur ins Haus. Die zahlreichen weißen Vorhänge tanzen in den großzügigen, geöffneten Glas-Schiebeelementen im Wind und geben dem Haus nebenbei so auch noch südländisches Flair.  S.H.

Eigentümer: Mag. Monika Rienössl

Planung: Architekt DI Maximilian Eisenköck