Bekenntnis zur klaren Linie

Vierzehn Hektar bewirtschaftet Hannes Reithmaier in Gobelsburg im Kamptal. Dort gibt es viele gute Lagen, und auf ihnen haben die Weine ausreichend Zeit, der Sonne entgegenzureifen. Das braucht Geduld, und die sieht man dem Winzer auch an.

Unaufgeregt und mit der in seinem Beruf so wichtigen Ruhe erzeugt er Spitzenweine auf vielen guten Lagen. Da treffen Alt und Neu zusammen, die besten Traditionen des Weinbaus auf moderne Kellertechnik, altehrwürdige Sorten auf zeitgemäßen Geschmack.
Alt und Neu sollten sich daher auch in der Umgestaltung seines Anwesens harmonisch verbinden. Es ging um Modernisierung, aber nicht um Modernismus als Selbstzweck. Was die Architektur hier an Neuem bringen würde, sollte sie gut begründen können. Was am Bestand erhaltenswert war, sollte bestehen bleiben. Denn alle Neuerungen müssen sich hier vor dem Bestehenden legitimieren.

Sichtbare Offenheit
Eine deutliche Architektursprache aus markantem Sichtbeton, erkennbarer Holzstruktur und kräftige Elemente aus Eichenholz, das ja nach wie vor beim Ausbau der Weine verwendet wird, zeigt das Selbstbewusstsein der Planer, die beispielsweise die Offenheit dieses Weinguts auch dadurch kenntlich machten, dass der Schreibtisch des Weinbauern von außen sichtbar ist – gewissermaßen in der Auslage.
Beim Bau wurde, auch das ist ein Verweis auf die Prinzipien im Weinbau, auf das Können der ortsansässiger Betriebe gesetzt. Ästhetisch wirkt der Baukörper nun wie ein Zitat seines Zwecks: Die Form legt sich organisch über den hügeligen Grund, ganz wie die Reihen der Weinstöcke nebenan. Die Außenfarbe erinnert an einen Lehm-Löß-Boden.

Der Innenhof, schon immer ein integrales Element solcher Güter, wurde modern adaptiert und weist eine interessante Formgebung auf, bei der auch eine Dachterrasse nicht fehlen darf. Die Halle, in der die Weine reifen, ist farblos gehalten: Weiß mischt sich mit Metalleffekten, lediglich der Boden ist ein wenig braun, ebenso wie einige Holzfässer, die den Kontrast der Epochen verdeutlichen sollen.

Schwebendes Objekt
Der Verkostungsraum wird vom Wechselspiel des kühlen und glatten Sichtbetons an den Wänden mit der warmen ziselierten Holzdecke sowie der schlanken Linie der Sitzbank, bestehend aus über sechzig schmalen Holzleisten bestimmt. Ein großes Barpult „schwebt“ als organisches Objekt über dem Boden und verkörpert damit die Tugenden eines guten Weins, in dem sich ebenso Solidität mit Leichtigkeit verbinden soll. Die Innengestaltung ist nicht nur ästhetisch, sondern auch einfach praktisch und sauber.

Natürlichkeit als Prinzip
Der Neubau wurde in das Ensemble geschickt integriert, alle Baubereiche sind zu einem harmonischen Zusammenspiel vereint, ohne darin aufzugehen – jeder Raum bewahrt seinen eigenen, stimmigen Charakter. Jedes Element des Gesamtbaus trägt zum Einheitlichen bei, so wie der Wein, der auch mehr ist als die Summe seiner Teile.

Eigentümer: Hannes Reithmaier

Entwurf / Planung: Bauer / Brandhofer Architekten