Campus Lengenfeld – Wo Schulbildung kristallisiert

Lengenfeld, ein kleiner Ort nahe Krems, ein Ort mit Geschichte und gewachsener Struktur. Hier sollte Vorhandenes erweitert werden.

Mit einem Architektenwettbewerb fand man schließlich die Idee, die alle überzeugte. Der Entwurf ist ein Beispiel dafür, dass Architektur sich nicht nur mit der Gestaltung eines Hauses beschäftigt, sondern weit über diese hinausgehen kann. Gespickt ist es mit vielen Überlegungen und philosophischen Gedankenansätzen, die sich erst auf den zweiten Blick eröffnen.

Worum geht es? In Lengenfeld wurde das Ensemble des bestehenden Kindergartens und der historischen Volksschule durch einen Verbindungsbau neu erschlossen. Damit geht die Neuinterpretation aller Baukörper einher: Was früher einzeln stand, wird durch diese Planung nun in etwas Größeres integriert. Der neu geschaffene Verbindungsbau funktioniert dabei wie ein Adapter.
Übrigens auch in Bezug auf die Baugeschichte: Zwar ist er selbst sofort als Neubau ablesbar, aber die Fassade ist in historischer Putztechnik entstanden. Ihre Farbe hat sie von eingemischtem Kohlenstaub.

Ein Verbindungsbau als Vermittler
Und dass dieser Adapter auch so gemeint ist, als vermittelnder Neubau im Altbestand, zeigt sich nicht nur in seiner funktionalen Struktur, sondern auch ganz deutlich in seiner Optik – modern, kubisch und kohlrabenschwarz. Das ist nicht nur dezent, sondern beinahe schon demütig: Wo den alten Bestandbauten neuer Sinn gestiftet wird, betont der Zubau, selbst nur ein Mittelstück zu sein und kein Teil der originären Bausubstanz.Das spiegelt sich auch im Inneren dieses Verbindungs- und Funktionsgebäudes wider. Hier werden die Besucher in einer lichtdurchfluteten Eingangshalle empfangen und in die verschiedenen Bereiche verteilt. Diese Lösung beweist ihren Wert gerade auch darin, die gegebenen Bereiche wie z.B. Turnsaal und Volksschule witterungsgeschützt zu verbinden, oder die Einrichtungen untereinander neu zu „managen“.

Dabei knüpft der dunkle Mittelbau farblich auch an das angestammte Lernwerkzeug der Schulanfänger früherer Zeiten an, die schwarze Schiefertafel. Zuerst ist sie leer, ohne Inhalt. Aber auf ihr können sich Wissensinhalte jeder Art entwickeln.

Dieses „Nichts“ eröffnet alle Möglichkeiten. Der schwarze Verbindungsbau zitiert das, indem er die Wege dorthin im wahrsten Sinn des Wortes ebnet – und das in alle Richtungen und natürlich barrierefrei.

Mehr als die Summe seiner Teile

Auf diese Weise wurden im Campus Lengenfeld Volksschule, Kindergarten und Kindertagesstätte zu einem baulich und organisatorisch zusammenhängenden Ganzen mit 1.570 m² Nutzfläche verbunden und der Kindergarten trotz sensibler Lage und schwieriger Geländetopographie ortsbildverträglich erweitert.
Und in die Turnhalle kommt man jetzt auch bei Wind und Wetter ohne dabei nass zu werden. Im Zuge der Neugestaltung wurde auch der alte Karner der benachbarten Pfarrkirche, den man vom Kirchenplatz aus betritt, in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt. Technisch wurden die einbezogenen Gebäude zudem auch auf heutigen Stand gebracht.

Auch die Optik des neu geschaffenen Innenraums kann sich sehen lassen: Eine offene, hallenartige Gestaltung betont die Kommunikation und die Fülle an Perspektiven. Große Fensterfronten lassen viel Licht herein und ermöglichen tolle Ausblicke auf die Umgebung.Dabei ist die Materialwahl unprätentiös, modern und urban: Stein und Metall wechseln sich mit Farbflächen ab. Die Deckenlampen treten als flache Leuchtkörper nahezu aus der Wahrnehmung heraus, nur das Licht wirkt. So ähnlich ist es mit dem ganzen Konzept: Die Zutaten sind wenig und dezent. Aber ihre Wirkung ist enorm, weil das Vorhandene auf ganz neuartige Weise zugänglich gemacht wird. In dieser Fähigkeit, auf sehr zurückhaltende Weise ein ganzes Areal neu zu denken, offenbart sich das wahre Können der Planer.

Eigentümer: Marktgemeinde Lengenfeld

Planung: ARGE goebl architecture – Gschwantner
………………goebl architecture ZT GmbH
………………Architekt Franz Gschwandtner ZT GmbH