EIN HAUS FÜR EINEN ORT | Das 10er Haus in Traismauer

Die Suche nach einem Fotostudio führte den Bauherrn zu einem denkmalgeschützten Ensemble im Zentrum von Traismauer.

Die Architekten Gerd Schlögl und Bernhard Schneider sanierten es achtsam. Nun ist es ein pulsierender Ort: fünf Mietwohnungen, Friseur, Trafik, Bäckerei und Veranstaltungsräume. Dort hat die Fine Art Galerie ihren Sitz. Mit ihrem feinen Programm bereichert sie Traismauer und die Region. Ein Fotostudio gibt es auch.

Bauherr Martin Lutz ist leidenschaftlicher Fotograf, er brauchte ein Studio. Im Jahr 2007 stieß er auf ehemalige Stallungen: fast 20 Meter lang, wenig Fenster, tonnenüberwölbt. „Sie wären als Fotostudio und Galerie mit Dunkelkammer und Bühne ideal gewesen.“ Die Stallungen gehörten zu einem Ensemble im Zentrum von Traismauer. Es stand unter Denkmalschutz, war vermietet und hatte eine Sanierung bitter nötig. Dafür war es günstig. Klassische Investoren wären abgeschreckt, Martin Lutz war hingerissen. Dicke Mauern, viele Gewölbeformen, alte Dippelbaumdecken – und über allem die Patina der Jahrhunderte.

Lutz kaufte das Ensemble, nannte es 10er Haus und beauftragte die Architekten Gerd Schlögl und Bernhard Schneider als “rechte Hand für alles“ mit der Sanierung. Im Juni 2009 befundeten die Denkmalforscher

Günther Buchinger, Doris Schön und Helga Schönfellner-Lechner das Haus. Die Bauteile an der Wiener Straße im Norden stammen aus dem 15. Jhdt., im 16. Jhdt. wurde im Osten an einem Nebengässchen ein weiterer Bauteil angebaut, zeitgleich dürfte der Westflügel am Kirchenplatz entstanden sein. Um 1610 adelte der Südtrakt den Freiraum dazwischen zum unregelmäßig trapezförmigen Innenhof, im 17. Jhdt. wurden die Stallungen angebaut. “Ursprünglich wollten wir sie auch erhalten, doch deren Bausubstanz war zu schlecht“, so Schlögl.

Historisch und zukunftsfit
Das 10er Haus war statisch und haustechnisch zukunftstauglich aufzurüsten, Wohnungen mussten zusammengelegt, Eingänge versetzt, Stiegenläufe verändert werden. „Die größte Herausforderung war in meinen Augen die Sanierung der Substanz mit vernünftigen

Grundrissen“, so Schlögl. „Es gab viele Treppen, aber keine Verbindung zwischen Erdund Obergeschoß.“ Im Oktober 2010 begannen die Bauarbeiten, etwa elf Jahre dauerte die Sanierung, niemand musste seine Wohnung räumen.

„Unser Ziel war, möglichst viel im alten Zustand wiederherzustellen.“ Man verzichtete auf Vollwärmeschutz und Innendämmung, die alten Mauern sind naturweiß verputzt, über einen Meter dick, ist es im Sommer wunderbar kühl. Einige Plastikfenster ersetzte man durch eigens nachgebaute Holzkastenfenster. „Die Pläne dafür habe ich sogar selbst nach den Vorbildern klassischer Holzkastenfenster gezeichnet. Einige Tischler sind darauf spezialisiert.“

Die Räumlichkeiten des Südtraktes im ersten Stock, wurden um einen großen Balkon erweitert, von dem eine Wendeltreppe in den sonnigen Garten führt. Treppe und Balkon sind aus verzinktem Stahl. Das ist schlicht, zeitlos und biedert sich nicht an. Auch das Bundesdenkmalamt war angetan. Den Garten kann man mieten: Hier fanden schon Hochzeiten statt und Klöpplerinnen stellten ihr Handwerk aus.

Starke, weiß gekalkte Mauern mit mächtigen Pfeilern geben dem Innenhof einen burgartigen Charakter. Zwei Pfeiler sind neu: sie waren statisch nötig, integrieren sich aber gut in den mittelalterlichen Bestand. Der Hof war früher betoniert, heute ist er gepflastert, es gibt Bänke und Pflanztröge mit Bäumen. Längst ist das 10er Haus mit seiner Fine Art Galerie im ersten Stock ein kultureller Fixpunkt. Wo früher ein Abstellraum war, ist nun eine kompakte, schwarze Küche mit Bar. Die Räume haben schöne Proportionen, alte Schiffböden und Dippelbaumdecken, deren Holzträme bemalt und „sicher bei Neumond“ (Schneider) geschlägert sind. Man kann sie mieten. Viele hochkarätige Veranstaltungen finden hier statt, auch im Fotostudio im Erdgeschoß gibt es Ausstellungen. Friseur, Trafik und der Bäcker am Kirchenplatz sind hoch frequentiert. Der Bauherr ist stolz darauf, dass er das Stadtbild mit seinem renovierten Haus verschönern und das Ortszentrum beleben konnte. Aber, gibt er zu: „Ich hab damit auch mich selbst glücklich gemacht.“ I.M.

Eigentümer: Mag. Erna und Martin Lutz

Planung: Architekten DI Gerd Schlögl und DI Bernhard Schneider