Ein neues Dorfzentrum entsteht

Der Dorfplatz, oder die “Dorfmitte” ist traditionell das Herz eines Ortes. Hier sind wichtige Gemeinschaftseinrichtungen, hier trifft man sich und tauscht sich aus. Die Anforderungen können sich mit der Zeit ändern, die Bedeutung bleibt.

Texingtal im Bezirk Melk ist eine typische Mostviertler Gemeinde, in der Land- und Forstwirtschaft dominieren. Schon seit mehreren Jahren gibt es Pläne für ein neues Ortszentrum, das die zeitgemäßen Bedürfnisse an so einen Platz erfüllen kann. Im Vorjahr ist der erste Bauabschnitt des Projekts „Dorfmitte“ fertiggestellt worden und dabei entstand ein feines Stück Architektur. Es fügt sich einerseits harmonisch in den Ortsverband ein, andererseits spiegelt die Linienführung des Baukörpers auch die sanften Hügelformen der Umgebung wieder, greift natürliche Formen auf und zitiert sie in seiner Detailgestaltung.

Konturen eines Gesamtbildes 
Die Dorfmitte soll als zentraler öffentlicher Raum das Erscheinungsbild der Gemeinde im Ganzen prägen. Mit den hier angesiedelten Einrichtungen: Vereinslokal für den ortsansässigen Musikverein, sowie der neuen Rot-Kreuz-Dienststelle mit angeschlossenen Garagen werden schon jetzt wichtige funktionale Ansprüche erfüllt. Ergänzt durch das Gemeindeamt, das im zweiten Bauabschnitt realisiert werden soll, entsteht ein Gebäudeensemble mit Begegnungs- und Aufenthaltsbereichen, die mehrmals pro Jahr für Festaktivitäten und andere Veranstaltungen genutzt werden können. Diese Bedeutung als Begegnungsort erfordert einen prägnanten Entwurf der nicht nur zweckorientiert ist, sondern auch hohe gestalterische Qualität aufweist.

Topografie und Nutzungskonzept
2011 konnte die Gemeinde für ihre „Dorfmitte“ ein geeignetes und in der Größe entsprechendes Grundstück im Ortsverband erwerben. Die Lage auf einem sanften Hügel ermöglicht barrierefreie Zugänge zu den Gebäudetrakten auf mehreren Ebenen. Aus nördlicher Richtung erreicht man den Keller, in dem neben den Garagen und dem Multifunktionsraum für das Rote Kreuz, auch Lagermöglichkeiten für die Gemeinde und den Musikverein Platz finden. Neben den Garagen befinden sich Hygiene und Nebenräume für den Betrieb der Sanitätsdienststelle. Betritt man über den hinteren Kellereingang das Gebäude, gelangt man über eine geradlinig verlaufende Treppe in den zentralen Eingangsbereich des Erdgeschoßes. Von diesem Foyer aus, werden die einzelnen Funktionsbereiche für den Musikverein, die Rot-Kreuz-Dienststelle und das im Planungsstadium befindliche Gemeindeamt erschlossen und verbunden. Es ist somit die Schalt- und Kommunikationsdrehscheibe.

Eine flexible Grundrissgestaltung für den Gebäudeteil des Musikvereins ermöglicht den Proberaum und die angrenzenden Zonen bei Bedarf als Veranstaltungssaal zu nutzen. Der Registerproberaum der zum Vordachbereich und zum künftigen Dorfplatz orientiert ist, erhielt in der Außenwand eine Faltschiebewand und kann somit als überdachte Bühne für diverse Veranstaltungen auf dem Dorfplatz verwendet werden.

Harmonische Gestaltung und ökologische Materialien
Bei der Detailgestaltung der Fassaden und Bauteile war es wichtig ein ausgewogenes Bild zu zeichnen, das als Erkennungsmerkmal für die Identität des Ortes und der Menschen steht. Zu den konstruktiven Besonderheiten zählen der Aufbau des Erdgeschoßes und des Obergeschoßes in Holzmassivausführung. Dabei handelt es sich um einen Brettschichtaufbau, der ausschließlich durch ein System von Hartholzdübeln zusammengehalten wird und ganz ohne chemische Bindemittel auskommt. Die Entscheidung für dieses System wurde im Hinblick darauf getroffen, dass sich hier traditionelles Holzwissen mit moderner Verarbeitung treffen und der Mehrwert in puncto „gesundes Raumklima“ durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen ist. Übrigens wurde dabei, wie auch bei allen anderen Holzbauteilen des Gebäudes (Dachstuhl usw.), ausschließlich Mondphasenholz verwendet. Es gilt als besonders stabil, haltbar, feuerbeständig, hart und widerstandsfähig gegen Schädlinge. Im Inneren kamen 11,5 cm starke Holzriegelwände und als tragende Bauteile 17 cm dicke Massivholzwände zum Einsatz. Über den Räumen des Musikvereins und der Rettungsdienststelle sind traditionelle Holztramdecken verbaut, den Keller und die Garagen schließen Stahlbetondecken nach oben hin ab. Die Stiegen sind als Holzwangentreppe ausgelegt. Die Holzfaserdämmung und diffusionsoffene Putze, z.B. Lehmputz an den Innenwänden, runden das ökologische Gesamtbild ab. Mit ihrer neuen Dorfmitte setzt die Gemeinde Texingtal sowohl ein positives Beispiel für ökologisches Bauen als auch für gute Architektur in der gesamten Region.

Bauherr: Gemeinde Texingtal 

Planung: Arch. DI Gerhard Dollfuss