Formensprache voller Symbolik – Zu- und Umbau Pfarrzentrum Langenhart

Die Pfarrkirche Langenhart in St. Valentin – ein Kirchenbau aus den fünfziger Jahren in dessen schlichter Hülle sich ein Kirchenschiff von aufregend moderner Architektur verbirgt, in dem man sich geradezu „an Bord“ fühlt.

Zweifellos war jedoch eine gestalterische Überarbeitung des Pfarrzentrums angeraten. Das Ergebnis: bautechnische und ästhetische Verbesserungen sowie eine neue Anordnung des Zugangsbereichs. Der Weg dorthin: respektvoller und angemessener Umgang mit der Materialität – und radikale Standpunkte nur da, wo sie das Vorhandene nicht ersetzen, sondern übertreffen.

Die Pfarrkirche und das Gemeindezentrum sind zwar ein sakraler Zweckbau aus den fünfziger Jahren und sprechen deshalb die Sprache des Betons, gerade im Innern zeigte sich aber schon damals eine wegweisende Formensprache voller Symbolik. Im Kirchenraum, der mit seinen prägnanten betonierten Querträgern und den flächigen Malereien der Kreuzwegstationen auf Kirschholz beeindruckt, erlebt man den Dialog von Kunst und Architektur und damit das Zeitzeugnis einer planerischen Feinsinnigkeit, die für den Baustil der fünfziger Jahre eben auch charakteristisch gewesen ist.

Neue Atmosphäre für den Pfarrsaal
Die peripheren Bereiche hielt man in der damaligen Zeit eher schmucklos. Genau hier setzte die Neugestaltung im Rahmen des Umbaus des Pfarrsaals an, der nun komplett mit Tannenholz verkleidet ist und dadurch eine unvergleichlich bessere Atmosphäre bietet als je zuvor. Außerdem wurde dieser Raum mit einem zeitgemäßen Schallschutzkonzept ausgestattet, bei dessen Planung die unterschiedlichen Nutzungen berücksichtigt wurden: Der Kirchenchor tönt lauter als die Jungschar, und Vorträge stellen wiederum andere Ansprüche an die Akustik. All dies wurde bei dem Gesamtkonzept bedacht. Und für Veranstaltungen im Sommer mit vielen Personen wurde nun auch eine Klimatisierung eingebaut. Kirche, Hof und Pfarrsaal erfüllen damit auch die vielfältigen Aufgaben eines modernen Veranstaltungszentrums.

Zug nach oben
In verschiedenen Bereichen des Gesamtensembles gibt es prägende vertikale Elemente, so etwa am Glockenturm und an den Gebäudefenstern, wodurch sich ein deutlicher Zug „nach oben“ ergibt. Diese optische Dynamik wurde daher auch bei den neuen Bereichen eingesetzt. Für die Schaffung eines Innenhofs wurde der Pfarrsaal aufgebrochen, die senkrechten Stelen hat man dabei weitergezogen und dadurch einen Raum innerhalb des räumlichen Gefüges definiert, den man durch diese Stelen erreicht. Damit verbindet sich die Symbolik eines Übergangs von draußen nach drinnen, von wo aus auch die verschiedenen Bereiche zugänglich sind. Die Umgestaltung wurde zudem mit einem Zubau kombiniert, wodurch sich eine ganz neue Interpretation des Zugangsbereichs ergibt: Der Eingang wurde in eine Seitengasse verlegt, was dem Ensemble mehr Intimität verleiht. Hier, im Innenhof, trifft man sich mit anderen und ist dabei mehr unter sich als früher vor dem Eingang an der Hauptstraße.

Licht als Gestaltungsmittel
Außerdem wurde bei dieser Planung sehr stark mit Licht gearbeitet. Einerseits bietet sich das bei Sakralbauten natürlich an, andererseits kommt die schlichte Fassadenoptik diesem Konzept sehr entgegen. Bei der Neugestaltung wurde die Optik des Materials noch weiter reduziert, sodass am Ende fast nur noch die Form spricht. Das Bauwerk wird auf seine symbolhafte Grundgestalt zurückgenommen. Hierzu passt auch, dass das Kreuz, grundlegendes Symbol des Christentums, auf einer Fassade als Strukturelement verwendet wurde. Es verweist auf den Wesenskern dieser Gebäudegruppe.

Die Neugestaltung des Pfarrzentrums Langenhart ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man vom Vorhandenen ausgeht und seine Materialität behutsam weiterentwickelt. Baustoffe und Bautechnik von vor siebzig Jahren wurden respektvoll zitiert und in unsere Zeit geholt.

Eigentümer: Pfarre Langenhart

Planung: POPPE*PREHAL ARCHITEKTEN ZT GmbH