Gästehaus Greißlerei

in Gösing am Wagram
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KAUFMANNSLADEN 2.0
Gästehaus mit Liebe zum Detail

Damit das alte Gebäude einer ehemaligen Greisslerei im Ortsverbund erhalten bleiben konnte, entstand in Eigenregie, mit enormem persönlichem Einsatz und mit viel Liebe ein Gästehaus im Zentrum von Gösing. Verwendet wurden dabei möglichst viel Material und Mobiliar aus dem Bestand.

 

Bevor die Greisslerei in Gösing am Wagram Mitte der 80er Jahre ihre Pforten geschlossen hatte, konnte man dort noch die legendären Zuckerln kaufen, an die sich so manch einer oder eine aus der 1970er Generation noch gut erinnern kann. Das Sortiment der damaligen, typischen Gemischtwarenhandlung war naturgemäß sehr breit gefächert, angeboten wurden „Waren aller Art“, das Geschäftslokal war gleichzeitig Wohnung, Küche, Büro und Lager. 2015 stand die Liegenschaft zum Verkauf, der Zustand war entsprechend schlecht, in den vielen Jahren davor wurde nie mehr investiert, aufgrund der extremen Hanglage gestaltete sich eine Nutzung sehr schwierig.

Verliebt in alte Häuser
Daniela Vigne, die jetzige Eigentümerin, liebt das Restaurieren und hat eine Vorliebe für alte Gebäude. Sie selbst lebt im Zentrum von Gösing und betreibt mit ihrem Mann dort ein altes Weingut. Für sie war es von Wichtigkeit, dass dieses traditionelle Gebäude dem Dorf erhalten bleibt, sich in der Nutzung in den Ortsverbund eingliedert und auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Überlegt wurde, erneut eine Art Greisslerei daraus zu machen, oder einen Slow-Food-Laden, ein Kosmetikstudio oder vieles mehr. Viele Ideen der Nutzung mussten aufgrund des – zwar romantischen, aber nicht alltagstauglichen – steilen Stiegenaufgangs verworfen werden, zudem gab es sowohl außen als auch innen mehrere Ebenen, wodurch eine Barrierefreiheit nicht gegeben gewesen wäre.

Besonderes Haus für besondere Gäste
Schlussendlich wurde aus der Greisslerei ein Gästehaus, ein großzügiges Appartement für 4 – 6 Personen, in dem bei der Innenausstattung ein Großteil der ursprünglichen Einrichtung wiederverwendet wurde und dadurch der Charakter des Hauses bestehen bleiben konnte. „Als wir die Greisslerei 2015 erwarben, haben wir immer noch Ware gefunden, von Geschirr über Haushaltswaren bis zu Knöpfen. Auf manchen Gläsern waren sogar noch die alten Preiszetterln drauf“, erklärt Daniela Vigne und ergänzt: „Die sind nun Teil der Küchenausstattung, den fehlenden Rest habe ich in entsprechendem Stil dazu gesammelt.“
Auch das alte Mobiliar bekam seine neue Bestimmung: Die ehemalige „Budl“ mit ihren „Semmelladen“ hat Daniela Vigne für die Appartementküche in liebevoller Handarbeit abgelaugt, so wie auch der Großteil der übrigen Renovierung in Eigenregie erfolgt ist. Regale und alte Etageren wurden einsatzbereit gemacht und wiederverwendet. Bei der Einrichtung achtete sie mit viel Gespür auf Harmonie: Die Innenausstattung ist abgestimmt auf die Zeit zwischen den Vorkriegsjahren und den 1960ern, in der die Greisslerei ihre Blütezeit hatte, und wurde stimmig ergänzt mit stilvollen modernen Elementen. Kaum etwas ist hier „von der Stange“, jedes Teil ist wohlüberlegt ausgesucht.

Gästezimmer / Außenbereiche
Ausgestattet nach neuestem Standard sind die Gästebetten und die beiden Bäder, eines davon war früher die Speisekammer, das andere Teil der Küche. Ein Gästezimmer ist der frühere Schlafraum, der hinter dem Verkaufsraum (heute Wohnküche) war, das zweite Doppelzimmer ist aus der ehemaligen Küche entstanden. Das dritte Schlafzimmer liegt im oberen Stock und ist vom Innenhof aus über eine Eisentreppe zu erreichen. Dieses „Sommerzimmer“ ist nur wenig isoliert und daher für Gäste nur in der wärmeren Jahreszeit nutzbar. So verwöhnt waren die Bewohner hier früher übrigens nicht, im Sommerzimmer schlief – das ganze Jahr über – die Mitarbeiterin der Greisslerei.
Das „Gästehaus Greisslerei“ verfügt heute über 2 Außenbereiche: den Innenhof und die Terrasse vor dem Sommerzimmer im ersten Stock. Je nach Jahreszeit kann man hier auf unterschiedlichen Niveaus uneinsehbar sonnenbaden, im kühlen Schatten Ruhe finden oder speisen.

Eigentümerin: Daniela Vigne
Planung: BM DI (FH) Johann Provin
Autorin: Susanne Haslinger
Fotos: Romana Fürnkranz
Drohnenfotos: Christoph Bertos