HAUS OHNE BETON | Wohnhaus in Breitenfurt

In erster Linie sollte es ein „Natur-Haus“ werden, in ökologischer Bauweise, mit nachhaltigen Materialien – und diese vorzugsweise unbehandelt. Begriffe wie Lehm und Holz als Baustoffe sind hier naheliegend und schnell zur Hand.

Dass es aber schlussendlich ein Haus werden würde, das ohne Betonelemente auskommt, war einzigartig, experimentell und ergab sich erst im Zuge der Planungsgespräche. Mit der Planung und Ausführung wurde Andi Breuss betraut. Da seitens der Besitzer kein Keller gewünscht war, entstand die Idee, auf große Erdbewegungen zu verzichten und das gesamte Haus auf eine 16 cm dicke Bodenplatte aus unbehandeltem Industrie-Sperrholz zu stellen und auf Schraubfundamenten aufzuständern. Das gewachsene Gelände darunter konnte so bestehen bleiben.

Generationenhaus
Konstruktiv besteht das Gebäude aus unverleimtem Brettstapelholz, innenseitig mit Lehmputz versehen. Holzständerkonstruktionen, mit Tannenholz belegt, bilden die Innenwände. Die Oberflächen sind unbehandelt, es gibt im Haus kein Styropor und keine Abdichtungen, die auf Distanz montierte Bodenplatte fördert die Luftzirkulation und die Räume konnten durch diese Maßnahmen komplett chemie- und emissionsfrei gehalten werden.
Das Erdgeschoß sollte barrierefrei ausgeführt sein, ausgestattet mit der Möglichkeit, das Erdgeschoß vom ersten Stock bei Bedarf komplett zu separieren und zu entkoppeln. Eine zweite Eingangstüre hat man dafür bereits bei der Planung mitberücksichtigt, die Wände im Innenbereich sind ausschließlich mechanisch miteinander verbunden und somit flexibel und jederzeit einer neuen Nutzung zuführbar. „Es sollten, je nach Lebenssituation, Eingriffe möglichst schnell vonstattengehen, ohne dass man in die Substanz eingreifen muss“, erklärt Rudi Takacs, der mit seiner Familie und seinem Bruder in dem Haus wohnt, dass auf diese Weise schon auf ein Wohnen über mehrere Generationen ausgerichtet ist.

Hineinspüren
Das Grundstück, auf dem das Haus steht, hat eine verhältnismäßig steile Hanglage, und um der Barrierefreiheit gerecht zu werden, entschied sich Breuss im Inneren für eine 10 Meter lange Rampe, die von der Eingangstüre direkt in den Wohnraum führt. Flankiert von Nebenräumen und offenen Regalen auf der anderen Seite mit Blick auf Wohnraum und Küche „zieht“ sie quasi den Ankommenden optisch und auch emotional ansprechend in den Raum. Zusätzlich unterstrichen wird das einladende Gefühl durch den trapezförmigen Grundriss, der das Haus nach unten hin breiter werden lässt. Geht man durch die Räume, spürt man die Natur hautnah. Der Geruch von Holz, das Holz selbst, der Lehmputz – all das lässt eine besondere, angenehme Atmosphäre entstehen. Der Holzfußboden ist, wie könnte es anders sein, unbehandelt, aber nach skandinavischem Vorbild gelaugt, geseift und gebürstet. Diese Verarbeitung verlangt nach regelmäßigem feuchtem Einseifen, das einerseits die Robustheit des Bodens gewährleistet und andererseits zusätzlich auch die Luftfeuchtigkeit im Raum positiv beeinflusst.

Mobiles „Tierhotel“
Das Haus auf ein „schwebendes“ Holzfundament zu stellen, hat neben dem Aspekt des nachhaltigen Bauens auch einen ökologischen.
Der Boden unter dem Haus wurde nicht metertief umgegraben, das gewachsene Gelände unter dem Haus blieb bestehen. So bietet dieser Bereich zwar keinen Platz für Pflanzen, aber umso mehr Platz und Schutz für Tiere. Und sollte man doch einmal übersiedeln wollen: Aufgrund der speziellen Bauweise könnte man das Haus rückstandslos abbauen. Einfach auseinanderschrauben und an einem anderen Ort wiederaufbauen.

Eigentümer: Fam. Takacs-Rettinger

Planung: ANDIBREUSS