Holzhaus am Weinberg

In Imbach bei Senftenberg wurde ein Wohnhaus aus zwei optisch getrennten Gebäudeteilen errichtet, wobei es der Planer mit einem Grundstück zu tun hatte, das von Norden nach Süden um acht Meter über zwei Terrassenlagen abfällt. ist.

Solche Hänge stellen den Architekten vor größere Aufgaben, einerseits technisch, denn Hangwasser und Neigung machen eine solide Sockelzone aus Beton notwendig und andererseits planungsästhetisch, denn wie setzt man dort einen architektonisch überzeugenden Baukörper um? Am ehesten, indem man die örtlichen Gegebenheiten annimmt, aufgreift und beantwortet. Der Bauherr Franz Kinastberger ist Zimmermeister. Das wirkte wesentlich auf die Gestaltung ein, die sehr stark vom Holz geprägt ist.

Ein gläserner Verbindungskörper erschließt die Baukörper
Der Baukörper liegt parallel zur Straße, so wie der First des blechgedeckten Daches. Die Liegenschaft ist ganz nach Süden hin orientiert, wo sie über eine Terrasse sanft in den Garten ausläuft. Von der Straßenseite her gibt sie sich eher zugeknöpft, hier ist der Baukörper zweiteilig verschnitten, was auch mit einer funktionalen Gliederung einhergeht: Östlich liegt der Wohnbereich, er hängt zum benachbarten Weingarten hin etwas über. Das westliche Hausstück beherbergt Garage und Wirtschaftsräume. Dazwischen befindet sich ein gläserner Verbindungskörper, der einerseits die beiden Frontteile verbindet, andererseits aber den Blick zwischen ihnen hindurch in die hangseitige Staffelung der Anlage erlaubt.

Gartenseitig nach Süden hin fächert sich die Baukonstruktion über die vorgelagerte Terrasse auf, deren Beschattung durch rahmenbildende Lärchenholzträgern gebildet wird. Nur von dort oder von der Seite aus ist die zweigeschossige Anlage des Hauses erkennbar. Die vom Bauherrn selbst entwickelten Fensterjalousien und sogar das Garagentor setzten die Holzverkleidung der Fassade fort, sodass im geschlossenen Zustand eine ungestörte und durchgehende Oberfläche entsteht.

Holzhütten zitiert
Diese Planung greift einiges aus der Weinregion auf. Zunächst zitiert sie die in den Weingärten üblichen Holzhütten, indem das Haus als kleinteiliger holzverschalter Baukörper ausgeführt wurde.

Die Dachflächen sind unterschiedlich bemessen, wie die Ungleichheiten in der Natur. Und die äußere Holzverschalung läuft seitlich schräg über die Wand – wie eine Schraffur, in deren Parallelen sich die Dach- und Hangneigung fortschreibt – eine interessante Idee des Bauherrn. Man betritt den Vorgarten und Zugangsweg von oben, von der Nordseite aus. Über eine Treppe gelangt man in ein darunterliegendes Geschoß mit ebenerdigem Zugang zur Terrasse und den Garten. Die Außenflächen werden von Lärchenholz dominiert, für den Vorplatz wählte man Beton, Zugangsweg und Terrassenflächen sind aus Kopfsteinpflaster bzw. Diamantnussholz IPE.

Die inneren Werte
Die Außen- und Innentrennwände, sowie das Steildach wurden in Massivholz ausgeführt. Der Beton kommt im Erdgeschoss zur Geltung, weil er das führende Material in der wichtigen Sockelzone ist und als ansprechende Sichtbetonoberfläche in den Wohnbereich schmückt. Wesentliche Innenbereiche zeigen viel Holz, im Schlafzimmer etwa lasiertes Fichtenholz. Im Bad ruht der Waschbereich auf einer alten Tischler-Werkbank. Die Fußbodenheizung wird von einer Luft-Wärmepumpe versorgt, zusätzlich verfügt das Haus über eine PV-Anlage.

Spiel mit Raum | Spiel mit Flächen
Interessant und anregend ist vor allem die originelle Verschachtelung der Gebäudeteile, ein Spiel mit Volumen, das einer Einbettung des Gebauten in die naturräumliche Umgebung dient. Innen setzt sich das Spiel mit Texturen und Farben, die von weiß bis dunkelbraun reichen, fort. Als Bodenbelag wurde grob gemustertes Fischgrätparkett verlegt. Dabei wirkt die ganze Anlage überaus bodenständig: Holz, Glas, Metall und Beton. Auf dem sicheren Fundament der Sockelzone steht ein massiv ausgeführtes Holzhaus, das mit seiner hintergründigen, humorvollen Art, sich als Neuling so in einen Landschaftsraum zu integrieren, so als habe er schon immer dazugehört.

Eigentümer: Karin und Franz Kinastberger

Planung: Architekt DI Claus Ullrich