“Holzpavillon” für die Gesundheit

Zwei medizinische Praxen haben in Scheiblingkirchen ein neues Zuhause gefunden. Eine wird von der Marktgemeinde an die Gemeindeärztin vermietet. In der zweiten Praxis befinden sich die Räumlichkeiten eines Masseurs sowie eines Bandagisten. Dadurch wird ein wichtiges Stück medizinischer Infrastruktur direkt von der öffentlichen Hand bereitgestellt. Es ist ein Gewinn für die Region, dass auch in diesem Fall vorbildliche Architektur zum Einsatz kam.

Herausforderung Barrierefreiheit
Ursprünglich hatte Scheiblingkirchen bereits ein Ärztehaus, das man nachträglich barrierefrei erschließen wollte. Da dies nicht zufriedenstellend umgesetzt werden konnte, beschloss der Gemeinderat, auf demselben Grundstück einen Neubau für die Ordinationsräume zu errichten. Die Kosten dafür beliefen sich auf 720.000 Euro. Durch die wirtschaftliche Ausnützung des Grundstückes entstand ein Baukörper, der wiederum in seiner Ausformulierung einen geschützten Vorplatz bildet. Über diesen Platz, großzügig dimensioniert und mit Sitzbänken und zentral angeordnetem Zierapfelbaum ausgestattet, gelangt man in die Praxisräumlichkeiten.

Reise durch die räumliche Gestaltung
Durch die Dynamik des Baukörpers ändert sich die Ausstrahlung der grauen Lärchenholzfassade je nach Sonnenstand. Das Innere begrüßt die Besucher mit einem hellen Farb- und Einrichtungskonzept. Sie finden sich wieder in einer hellen Welt, die Atmosphäre ist angenehm und beruhigend – das ist wichtig für medizinische Einrichtungen, soll dies doch zum Heilerfolg beitragen. Die verschiedenen Bereiche sind klar in Zonen gegliedert. Die Hausarztpraxis verfügt über einen Warteraum mit angrenzender Anmeldung, Personalräume, Hausapotheke und zwei Ordinationsräume. Zudem wurden in dem kleinvolumigen Baukörper ein Labor, ein EKG- und ein Verbandswechselraum integriert. Das Massageinstitut bedurfte neben den Praxisräumen und einem Büro, eines eigenen Warteraums und Sanitärbereichs.

Bauen mit Holz
Der Grundriss ist klar strukturiert, das Gebäude ist einfach und auf das Wesentliche reduziert, dies aber auf hohem Niveau. So wurden die Außenwände in Holzriegelbauweise errichtet. Die Deckenkonstruktion besteht aus einer hinterlüfteten Holztramdecke mit Akustikuntersicht, der Dachaufbau wurde als Foliendach mit Kiesschüttung ausgeführt. Die Klimatisierung erfolgt über eine Luftwärmepumpe als Fußbodenheizung und -kühlung. Das sind Beispiele für aktuelle Baustandards, die klare Vorteile bringen, dabei aber nicht ins Geld gehen. Es galt, in etwa mit einem Etat auszukommen, der eigentlich für die Veränderung eines bereits bestehenden Baukörpers vorgesehen war.

Bei der Gliederung des Gebäudes fallt sofort auf, wie geschickt der verfügbare Platz genutzt wurde. Die verschiedenen Funktionsräume sind platzsparend, dabei aber höchst sinnvoll angeordnet. Das einem Wohnbungalow ähnelnde Gebäude liegt ruhig in der Landschaft und verkörpert gleichermaßen Stabilität wie Unaufgeregtheit. Ein schönes Stück Baukultur, das aus medizinischen Funktionsbereichen ein Vorzeigeobjekt für gelungene Architektur gemacht hat.

Bauherr: Marktgemeinde Scheiblingkirchen

Planung: kaltenbacher / architektur