Josefs Himmelreich

Das Ortsleben in Zaußenberg am Wagram wird seit jeher vom Weinbau dominiert.

Hier wird noch der Rote Veltliner angebaut, einst die führende Rebsorte am Wagram. Der Winzer Josef Fritz, dem die Riede „Himmelreich“ gehört, suchte für sich und seiner Frau ein “Auszugshaus”. Es fand sich im leerstehenden Nachbarhaus – ein Wohnhaus mit Stallungen und Innenhof aus dem 19. Jahrhundert. Bis der Nachwuchs aber den Winzerbetrieb übernehmen kann, musste noch eine Zwischenlösung gefunden werden. Also entschlossen sie sich die neuen Eigentümer das sogenannte “Schmid-Haus“ zwischenzeitlich als Restaurant zu nutzen.

Traditionell, aber auf heutigem Stand
Die Bausubstanz war teilweise stark angegriffen, sollte aber durch gezielte Maßnahmen erhalten werden Es wurde nicht entkernt, es wurde kein Gebäudeteil geschleift und es gibt auch keinen modernen Zubau. Das alte Haus steht da wie eh und je, instandgesetzt und modernisiert. Alles an dieser Sanierung atmet irgendwie den Geist der Region, aber auch der Geschichte: Traditionelle Materialien und sehr viel Handarbeit haben der alten Liegenschaft gesundes neues Leben eingehaucht.

Hierfür war vor allem der richtige Umgang mit den alten Lehmziegeln wichtig. Alte Bauweisen (Lehmputz und Natursteinböden innen) wurden mit modernen Maßnahmen (Holzfenster mit Isolierglas) kombiniert. Für die Außenwände wählte man traditionellen Sumpfkalkputz. Auch dem Innenhof wurde eine sanfte Neugestaltung zuteil. Die betonierte Mistgrube verwandelte sich in ein Hochbeet und wurde zum Mittelpunkt des heutigen lauschigen Gastgartens. Soweit es ging, beließ man den Innenhof, wie er war, weil von ihm eine angenehme, ruhige Atmosphäre ausgeht.

Thermisch saniert
Man ging behutsam vor, alle Oberflächen wurden renoviert, die Böden neu aufgebaut und mit einer Fußbodenheizung versehen, die bestehende oberste Geschoßdecke mit Zellulose gedämmt.

Eine Luft-Wärmepumpe sorgt für Heizung und Warmwasser, eine kontrollierte Wohnraumlüftung gewinnt ca. 75 % der Innenwärme zurück. Geradezu raffiniert ist auch die Kombination von Mineralschaumplatten mit Kalkputz in einer Schichtstärke von bis zu 2 cm an den Außenwänden. Dadurch konnte eine Energiekennzahl etwa 88 kWh/m²a erreicht werden.

Lehm erinnert an Weinbau, und dies tun auch die anderen verwendeten Materialien – beispielsweise die Solnhofener Kalkplatten, die den Fußboden bilden, oder die Tische aus massivem Nußholz, eine Erinnerung an die traditionelle Wagramnuss vor den Weinkellern.

Hier ist der Kellner der Koch

Im eigenen Gemüsegarten und auf einem kleinen Acker werden Lebensmittel angebaut, die dann im Restaurant direkt auf dem Teller landen – zubereitet von Pächter Josef Kellner, 27 Jahre, der sich nach den Wanderjahren in der Spitzengastronomie zusammen mit seiner Lebensgefährtin Jasmin Wieland hier den Traum vom eigenen Restaurant erfüllt. Das Essen ist gut, ehrlich und bodenständig, aber doch so ausgefeilt, dass Severin Corti vom Standard von der „gemeingefährlich zarten Erdäpfelcremesuppe“ schwärmte.

Es gibt nur 24 Plätze, man muss vorbestellen. Es gibt Menüs mit mehreren Gängen und dazu den Wein von nebenan. Hier kann man als Gast ein paar Stunden eins mit sich selbst sein. Weniger, dafür besser – das ist das Grundkonzept, das sich hier in jedem Detail manifestiert. Wie in der Küche, so auch bei der behutsamen Sanierung und der reduzierten Einrichtung des Hauses.

Eigentümer: Weingut Irene und Josef Fritz

Planung: DI Friedrich Bitzinger