Nah am Wasser gebaut

Über die Baumhaus-Lodge in Schrems hat Niederösterreich GESTALTE(N) schon vor einiger Zeit berichtet: Es handelt sich dabei um ein einzigartiges Refugium aus ambitioniert gestalteten und anspruchsvoll eingerichteten kleinen Ferienapartments, die man mieten kann, wenn man eine Auszeit braucht. Denn hier ist man allein mit sich – und der Natur.

Die Ausgangssituation ist klar: Wer immer unter Stress steht, stets erreichbar und mobil ist, der wünscht sich einfach nur, einmal richtig abschalten zu können. Franz Steiner hat dieses Bedürfnis schon vor Jahren erkannt und ein „architektonisches Walddorf“ errichtet. Zu den ersten Einheiten haben sich jetzt zwei Klippenhäuser dazu gesellt.

Ruhe am See
Das Bauvorhaben wird in einem aufgelassenen Granitsteinbruch realisiert, wo sich in der ehemaligen Abbaustätte mittlerweile ein Teich gebildet hat. Die „Baumhäuser“ aus dem ersten Bauabschnitt haben einen soliden Grundbau. Jetzt geht es um die Klippenhäuser, die über dem Ufer direkt am Boden verankert werden. Da sie über den Teich ragen, entsteht beim Blick aus dem Fenster die Illusion, über dem Wasser abgehoben zu sein. Wasser, Wald und Wiese: Hier kann man richtig durchatmen, auch seelisch.

Der Teich ist von weiten Naturflächen umgeben, doch die Stadt lädt mit verschiedenen Besichtigungsmöglichkeiten, Museen, einem kostenlosen Moorbad und noch einigem mehr zu vielen Ausflügen ein. Ein Ort zum Kraftfinden, zur Regeneration. Dazu passt der unweit gelegene Unterwasserreich mit Fischotterfütterung und lehrreichen Erkundungen. Das Areal selbst ist reich und attraktiv. Über den mit Fischen besetzten Teich ragen schroffe Felswände bis zu sieben Meter empor, im Wald wachsen Buchen, Eichen, Kiefern und Fichten. Im Süden schließen sich Ackerflächen und ein Birkenwald an. Von hier aus können viele Wanderungen unternommen werden.

Dem Ort gerecht werden
Bei der Gestaltung und Planung wurden die markanten Wesenszüge dieses Ortes aufgegriffen und architektonisch erweitert. Die Architektur dieses Bauprojekts unterstreicht den Charakter des Standorts, der von vergangener industrieller Nutzung und Strukturwandel erzählt. Eine heile Welt wird hier nicht gespielt, wohl aber die heilende Landschaft erfahrbar gemacht.

Entspannung mit Stil
Etwa sieben Meter über dem Wasser ragen die Klippenhäuser über den alten Steinbruchteich. Ihre kantige Form lehnt sich an die Struktur der Felsen an. Die beiden Gehäuse mit je 26 m² Nutzfläche sind im Retrostil eingerichtet, der sich vor allem in den einladenden Ledersesseln zeigt. Man hat Naturstein aus Schrems verarbeitet, von denen aus man die umliegende Natur betrachten kann. Ansonsten wurde weiter auf Holz und Metall gesetzt. Jedes Haus bietet einen Wohn-Schlafraum mit Liegelandschaft, Bad und Toilette, außerdem eine große Terrasse mit Sitzgelegenheit und Tisch. Die beiden Wasserhäuser werden über ein Außenplateau erschlossen und wirken wie hinterlassene Objekte, die ihre Funktion nicht gleich preisgeben und zusammen mit dem Teich zu einer Art Installation verschmelzen. Da sie auf dünnen Stahlstreben ruhen, „schweben“ sie über dem Klippenrand. Innen sind die Strukturen sehr klar und funktionell. Es gibt nur, was man für ein paar Tage benötigt. Jetzt nur noch das Handy ausschalten, und die Ruhe ist da.

Ökologisch interessant ist auch die völlige Wiederverwertbarkeit der ganzen Anlage. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Werkstoff Holz, der eine ästhetische Verbindung zur Umgebung schafft und mit seinem Dämmverhalten eine ganzjährige Nutzung dieser Häuser ermöglicht. An diesem Punkt könnte die Anlage „fertig“ sein – wenn es da nicht noch etwas abseits eine weitere gewidmete Fläche gäbe… wer weiß, vielleicht geht die Geschichte noch weiter?

Eigentümer: Mag. Franz Steiner

Planung: Architekt DI Andreas Wenning [baumraum]