ALT UND NEU GESELLT SICH GERN | Wohnhaus in Perchtoldsdorf

Laut Grundbuch wurde das ehemalige Winzerhaus im Herzen der Weinbaugemeinde Perchtoldsdorf im Jahr 1438 erstmals erwähnt. Der zwischen Straße und Garten angelegte, langgestreckte Parallelhof – benannt nach zwei parallellaufenden Gebäudetrakten – ist Teil der geschlossenen Verbauung im Zentrum der Gemeinde.

Um einen langgezogenen Innenhof gruppieren sich vier Wohneinheiten und ein ehemaliges Presshaus. Die gartenseitige Wohneinheit mit dazugehörigem alten Presshaus wurde vom neuen Eigentümer saniert und renoviert. Aus dem bestehenden Wirtschaftstrakt sollte ein Wohntrakt werden, das ehemalige Presshaus Platz für Büro und Einliegerwohnung schaffen.

Familien-Wohnen
Im Zuge der Planungsphase zeigte sich bald, dass eine Renovierung des desolaten Wirtschaftstraktes, der dem ehemaligen Heurigenbetrieb als Küchen- und Lagertrakt diente und schon rund 10 Jahre unbenützt war, wirtschaftlich nicht sinnvoll wäre und man entschied sich für einen Neubau.
Die Vorgabe des Bauherrn war es, eine Wohneinheit für ihn und eine zusätzliche für ein weiteres Familienmitglied zu schaffen. Die beiden Wohnungen sollten getrennte Eingänge haben, aber die Möglichkeit offenlassen, bei Bedarf, ohne gröbere Adaptierungsarbeiten aus den beiden Einheiten eine Familienwohnung machen zu können. Der Entwurf von Architekt Hannes Toifel sah vor, beim Neubau die Typologie des langgestreckten Gebäudes des ehemaligen Wirtschaftstraktes beizubehalten und mit besonderen Akzenten den Anforderungen modernen Wohnens gerecht zu werden.

Barrierefrei
Die untere Einheit, in der der jetzige Besitzer selbst wohnt, ist ausschließlich ebenerdig ausgerichtet. Den Abschluss zum Garten macht eine bemerkenswerte, fast zweigeschoßige Portalkonstruktion, die viel Licht in den hohen großen Wohnzimmer-Küchenbereich bringt. Für die Lichtdurchflutung des hinteren Bereichs, in dem die Schlaf- und Sanitärräume liegen, sorgen

große Oberlichtfenster. „Es war uns wichtig, einen Wohnungsverband zu schaffen, der ohne großen Aufwand auf eine veränderte Familiensituation reagieren kann. Diese Art der Erschließung entspricht dem zeitgemäßen Anspruch eines barrierefreien Wohnens und ist bei Bauprojekten immer mehr gefragt“, erläutert Hannes Toifel seine Planung. Vom gemeinsamen Eingangsbereich führt eine Wohnungstüre in die Erdgeschoß Wohnung, eine Treppe in die komplett autonome zweite Wohneinheit im ersten Stock. Bei Bedarf können die beiden Wohneinheiten unkompliziert zusammengelegt werden.

Neue Erfindung
Das gegenüberliegende alte Presshaus wurde im Zuge der Renovierungen erhalten und entsprechend saniert. Dort befinden sich heute im Erdgeschoß das Büro des Eigentümers, Carports und ein Grillplatz, das obere Geschoß ist als Mietwohnung konzipiert.
Hielt man sich bei der Renovierung des Altbestandes an die gegebenen Materialien und Farben, wollte Toifel beim Neubau besondere Akzente setzen.
Form und Farbgebung sowohl des Rhombus – gedeckten Blechdaches als auch der Frontseiten – Verkleidung sollten nicht „von der Stange“ und einzigartig sein. Die Auswahl der Farben bei den, im Altbestand verwendeten Materialien, war jedoch sehr groß. Damit war die Möglichkeit, eine passende Farbe zu finden, sehr eingeschränkt. Man wollte sich bewusst von den bestehenden Farben absetzen aber in der Farbgebung sehr wohl einen warmen Ton wählen, eine neue, aber dezente Farbe finden, die gleichzeitig Helligkeit vermittelt. Mit einem sehr engagierten Spezialisten konnte schließlich eine komplett neue Farbe kreiert werden: Perlgold! Dieses Perlgold ziert mittlerweile auch die Standardfarben – Palette des Herstellers ganz offiziell.  S.H.

Eigentümer: Privat 

Planung: Architekt DI Hannes Toifel ZT GmbH