Eingebettet in das historische Ensemble

die Zeller Apotheke in Waidhofen an der Ybbs. Mehr noch als das einzelne Haus wirkt die baulich gewachsene Gebäudegruppe im Ortsteil von Zell-Markt als ein in sich stimmiges und ästhetisches „Bild“: Der Straßenzug, das Viertel, die Silhouette der Stadt. Was aber tun, wenn ein Haus aus der Mitte solch eines Ensembles ersetzt wird?

Wenn die Baugeschichte weitergeht
Wer in einem bestehenden Ortsgefüge baut, der hat das Gesamtbild zu wahren und sich in dieses einzufügen. Beim Bau der Zeller Apotheke wurde dies beispielgebend vorgeführt. Einerseits ist das neue Gebäude hinsichtlich seiner Positionierung und seiner Bauform weitestgehend an die Nachbarhäuser angeglichen und fällt auf den ersten Blick gar nicht als Neubau auf. Andererseits steht es aber, trotz seiner bodenständigen Bauweise, mutig zur Architektur unserer Zeit. Dabei kann man sehr schön sehen, wie gute Baugestaltung die überkommene Formensprache neu interpretiert und sozusagen die Baugeschichte dieses Ortes weiterschreibt. Und das wiederum eröffnete den ganzen Instrumentenkasten der heutigen Bautechnik mit bestmöglicher Anpassung an die Forderungen, die an dieses Bauwerk zu stellen sind.

Auf den Zweck hin geplant
Es ist eine Apotheke – daraus ergeben sich bestimmte Raumwidmungen von selbst. Im Erdgeschoss das Offizin (der Apothekenraum) mit barrierefreier Zugangssituation für den Kundenverkehr, daneben die Anlieferung, dahinter, mit einem modernen Komissionierautomaten als Raumteiler, Räumlichkeiten für Warenwirtschaft und Rezeptur. Im ersten Geschoß befinden sich die notwendigen Betriebsräume, ein Nachtdienstzimmer und ein Multifunktionsraum. Bei einer Adaptierung eines Altbaus muss generell immer mit dem gegebenen Zuschnitt und dem vorhandenen Raumgefüge improvisiert werden.

Hier hingegen wurde planlich alles an die entsprechenden Betriebsabläufe einer Apotheke angepasst. Fluss seitig wurde das Obergeschoß rückversetzt, was das Volumen des Gebäudes deutlich entkräftet und zudem eine Terrasse mit Blick auf die Ybbs entstehen ließ. Auch farblich wurde das Haus ins Stadt- und Landschaftsbild eingebettet.

Gute Atmosphäre
Im Inneren fällt vor allem die äußerst entspannende Kombination aus weißen Wänden und hellem Holz auf. Auch die Möblierung und die moderne Kunst an den Wänden tragen zu diesem harmonischen Wohlklang bei. Die Holzbalkendecke vermittelt Bodenständigkeit und Tradition. In den Verkaufsraum fällt über die offene Stiege mit Glasgeländer und den darüber liegenden Dachflächenfenstern Licht von oben ein. Dementsprechend wirkt er hell, aufgeräumt und fokussiert und vermittelt ein Gefühl von Genesung und Gesundheit.

Das Haus als Standort
Zur hohen Qualität dieses Gebäudes trägt auch seine fantastische Aussicht über Stadt und Fluss bei. Von verschiedenen Punkten aus ist das Haus gut zu sehen und wirkt immer wie ein guter Nachbar, der nicht aneckt, aber dennoch sein eigenes Gesicht zeigt. Alles in allem: Ein baulich unprätentiöses Objekt, harmonisch eingebettet wie ästhetisch beispielgebend und innerhalb der modernen Bauplanung doch ein ruhiger, pragmatischer Entwurf, der beweist, dass gekonnte Architektur gerade auch im baulich günstigeren Bereich möglich ist und überzeugt.

Eigentümerin: Mag. pharm. Susanne Wagner

Planung: w30 architektur