Außen hui | Innen hui – Zubau in Hart Aschendorf

Man fährt selten durch. Und zufällig findet man nicht hin, nach Hart – Aschendorf, schade eigentlich! Ist doch dieses wenig bekannte kleine Dorf, fernab vom Durchzugsverkehr inmitten von Feldern und Wiesen gelegen, ein Kleinod alter Weinviertler Baustruktur. Als Musterbeispiel für ein typisch erhaltenes Weinviertler Angerdorf reihen sich dort um den grasbewachsenen länglichen Dorfplatz die „L“- förmigen, eingeschoßigen Gebäude mit geschlossenen Innenhöfen in beeindruckender Homogenität.

Eben diese Stimmigkeit war es auch, die das Ehepaar Karin und Andreas Herok vor 11 Jahren bewogen hatte, seinen Zweitwohnsitz dorthin zu verlegen. Als die Heroks vor drei Jahren das renovierungsbedürftige Nachbargrundstück dazu erwerben konnten, war die Herausforderung groß, die beiden „L“-förmigen Gebäude harmonisch zu verbinden und die beiden, dadurch neu entstandenen, Hofsituationen in ihren Proportionen zu bewahren.

Glasklar: Der neue Zubau
Man entschied sich, einen Teil des sanierungsbedürftigen Altbestandes abzureißen und an derselben Stelle in gleicher Proportion und Form einen Neubau zu errichten. Die Form der Weinviertler Bauernhäuser sollte übernommen, aber in eine moderne Architektursprache übersetzt werden. Also wurde aus dem ehemaligen alten Lagergebäude ein Loftartiger Küche-Ess-Wohnbereich mit offenem Dachraum und großen Fensterfronten. Die „ums Eck Verglasungen“ am Ende der Längsseite des Gebäudes geben einen ungestörten Blick in den hinteren Bereich des Anwesens – Richtung Stadl und angrenzende Felder – frei und ermöglichen gleichzeitig eine Sicht auf den Hof des Altbestandes auf der einen, als auch in den neu entstandenen Innenhof auf der anderen Seite.

Die Wünsche waren von der Bauherrenschaft von Anfang an klar definiert. „Es war mir wichtig, dass diese Wünsche perfekt umgesetzt werden und wir dabei auch statisch gesehen auf der sicheren Seite sind. Diese Umsetzung war in der Konstruktion alles andere als einfach“, erklärt Architekt Stefan Toifl. „Wir mussten einen Stahlrahmen einziehen, das Ganze mit Zugbändern verbinden und es dabei auch noch schaffen, die Ecken ohne Stützen zu realisieren.“

Mittels großer, komplett öffenbarer Schiebetüren verschwimmt der Innen- mit dem Außenraum und trotz höchstmöglicher Transparenz entstand ein geschützter Raum, der, windgeschützt, Licht aus allen Richtungen einlässt und trotzdem einen Ruhepol darstellt.

„Wir wollten die Grundstücke verbinden, ohne das bestehende Ensemble zu zerstören“, freut sich Karin Stanger-Herok über den gelungenen Neubau, „Die Räume, die es schon gab, sollten in ihrer Stimmigkeit und Idylle erhalten bleiben. Das ist uns sehr gut geglückt. Die beiden Grundstücke sind verbunden, faktisch und optisch. Wir konnten bei der Erschließung eine Art der Trennung erhalten, die eigentlich keine ist.

Natürliche Materialien stimmig gewählt
Ein wichtiger Aspekt bei der Errichtung des Neubaus war die ökologische Bauweise.  Es wurde mit Holzriegelwänden gebaut, die Fassade ist mit Holzweichfaserplatten verkleidet. Recycelter Glasschaumschotter diente als Dämmung und der Zubau wird separat mit einer eigenen Luft -Wasser -Wärmepumpe beheizt.
Auch bei den Materialien der Innenausstattung wurde auf „Stimmigkeit“ geachtet. Durch die klaren weißen Wände bleibt der Fokus auf der Besonderheit dieses Ortes, ein Naturstein- Boden versteht sich bei diesem Objekt von selbst.

Kunstvoll
Andreas Herok ist bildender Künstler, in Hart Aschendorf sind auch seine Atelierräume untergebracht. Die Möbel, die heute großzügig platziert, im Neubau stehen, hat er selbst restauriert. Genauso wie die 160 m2 große Scheune, die zum Areal gehört und manchmal auch für Ausstellungen genützt wird. Galerie gibt es noch keine in Hart Aschendorf – aber, wer weiß…?

Eigentümer: Mag. Karin Stanger-Herok und Andreas Herok

Planung: Architekt DI Stefan Toifl