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Zuagroast
Eine Diskussionsplattform. Eröffnet von Baumeister Franz Mayer |
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Meine
lieben Leser, ich möchte auf diesem Wege ein Dankeschön
sagen, dass Sie sich so zahlreich an unserer Diskussion beteiligt haben
(und sich hoffentlich weiterhin beteiligen werden). Seit ich dieses
Diskussionsforum von „NÖ gestalten“ mit grundsätzlichen
Überlegungen zum Thema „Beziehung zwischen Einheimischen und
Zuagroasten“ eröffnet habe, hat sich ein reger und inhaltlich weit
gestreuter Gedankenaustausch entwickelt. Zuagroast soll auch in Zukunft ein Forum bieten, in dem man über zwischenmenschliche Beziehungen schreiben kann. Ich stehe auf dem Standpunkt: „Lieber diskutieren und sich für Dinge, die einem wichtig sind, einsetzen, als sich zurückziehen und schweigen." Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt, dass alle Probleme
lösbar sind, wenn man über sie spricht. Im Gespräch
kommen oft neue Gedanken zum Vorschein, und viele Dinge erscheinen in
einem ganz anderen Bild. Glauben Sie nicht auch, dass Ihr Nachbar,
Freund, Berufskollege etc. ähnliche Sorgen und Probleme hat wie
Sie? Versuchen Sie diese Menschen anzusprechen, Sie werden sehen, die
Sorgen unterscheiden sich kaum von den Ihrigen, aber gemeinsam
können besser Lösungen gefunden werden. |
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Gabriele Häusler, |
Ich habe mir im Oktober
2007 ein Haus im Weinviertel
(Wildendürnbach) gekauft.
Nicht wie so manche Andere
als Zweitwohnsitz, sondern
als Hauptwohnsitz und bin
am 27. 12. 2007 übersiedelt. Als geborene Wienerin verbrachte
ich bis zu meinem 47.
Lebensjahr die Zeit in Wien.
Obwohl mir meine ganze Familie
und auch meine Freunde
allesamt abrieten, in ein
„kleines Nest“ zu gehen, habe
ich diesen Schritt gewagt
und ich wurde hier sehr herzlich
aufgenommen. Manchmal kommt es mir vor,
als würden die Einheimischen glauben, ich wohnte schon
ewig hier. Das ist das schönste Kompliment von ihnen.
Ja, und wenn ich jemanden
auf einer Veranstaltung frage,
„Kennst du mi überhaupt?“,
dann bekomme ich zum
Hören: „Na kloar, du bist a
Dürnbäckerin!“ |
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Erika Paumann, |
Wir (mein Mann, unser 21-
jähriger Sohn und ich) zogen
vor sieben Jahren von NÖ nach Weyer in OÖ, in eine
neue Siedlung am Kreuzberg. Anmerkung der Redaktion: |
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Josef Minarovich, |
Ich habe mir so einige Gedanken
über das „Du“ und
die so genannten Einheimischen
gemacht. Das „Du“ war von fast allen
gleich, ohne viel fragen, von
jung bis alt, gegenwärtig.
Am Anfang musste ich mich
erst daran gewöhnen, auch
von den Jungen und den
Frauen geduzt zu werden. Wenn wer bei Kleingeräten,
Spielsachen und technischen
Dingen Hilfe braucht, bin ich
zu haben. Soweit, so gut.
Es vergingen fast sieben Jahre,
bis ich vor dem Pfarrfest
gefragt wurde, ob meine Frau auch Mehlspeisen backen
möchte und ich beim Aufbauen
der Tische und technischen
Geräten helfen kann
für ein Vergeltsgott. Was ich damit sagen will: Ein Wald4tler braucht Jahre, bis er einem Wiener vertraut. Ich sage Danke dafür und hoffe, dass ich die Vorurteile gegen Wiener etwas ausräumen konnte. Übrigens: Beim Reden muss man etwas vorsichtig sein, den „Weana Schmäh“ versteht man nicht immer. Ich habe mich öfter selber auf die Schaufel genommen, das kam gut an. Ich fühle mich sauwohl in dieser kleinen Gemeinde dank der Freundschaft mit Dorfanschluss (die Freunde werden immer mehr). Ins Gsicht gschaut und d’ Haund gebm, des is d’ Woidviertler Oat. |
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Pauline Schuch, |
Vergangene Woche, an einem
frühlingshaften Tag, waren
eine Nachbarin und ich dabei,
vor unseren Anwesen die
Siedlungsstraße vom Streuriesel
des noch nicht ganz vergangenen
Winters zu säubern. |
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Helmut Berg, |
Wenn Ihr den untenstehenden Leserbrief nicht
veröffentlichen wollt (oder könnt), bin ich euch nicht
böse, aber irgendwie oder irgendwo muss ich mir meinen Ärger
über manche Zusiedler von der Seele schreiben. Die
Überheblichkeit mancher Städter ist fallweise schon enorm. Hinweise für Städter, die aufs Dorf siedeln wollen: In die dörfliche Gemeinschaft eingebunden, leben, arbeiten, lieben und leiden die Menschen seit Generationen am selben Ort mit denselben Nachbarn. Sie kennen den Boden, auf dem sie leben und arbeiten, kennen ihr Klima und alle sonstigen Launen der Natur, gegen die oft hart anzukämpfen ist. Na, wer glaubt wirklich, dass die auf Besserwisser, Raunzer und ähnliche Leute warten? Und noch etwas: Wem das Kikeriki, das Muuuuh, das Ihaha oder das Oink-Oink zu laut ist und wem die Sau zu viel stinkt, der soll beim gewohnten Töf-Töf, Tüt-Tüt, Bim-Bim und Hundekot bleiben und die angenehmen Abgase schnüffeln. Übrigens: Acker und Stall sind ebenso Arbeitsplätze wie Büros und Fabrikhallen! |
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Birgit Winkler, |
Mit Schmunzeln verfolge ich die Zuagroast-Berichte und aus
aktuellem Anlass möchte ich mit einer Wortmeldung dazu beitragen:
Es gibt nichts Schöneres, als von den „Einheimischen“ aufgenommen
zu werden! |
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Fritz Hör, |
Ich bin in Wien aufgewachsen und habe das Waldviertel durch
meine Schwiegermutter kennen gelernt, die bis zu ihrer Heirat auf einem
Bauernhof in der Gemeinde Geras wohnte und in der Pension wieder in
diesen Ort zog. Meine Frau ist hier voll integriert, und da ich selbst
seit meinem 19. Lebensjahr viele Wochen hier verbracht habe, betrachte
ich mich nur als halben Zuagroasten. |
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Dr. Robert Mayr, |
Leserbriefe aus Ausgabe 125 (Ellen Wallhaus) und 126 (Cornelia
Hell) belegen, dass „Zuagroaste“ ihre Erwartungen vom Leben am Land
nichtimmer erfüllt sehen und dort die erwünschte „Harmonie
mit der Natur“ und den Nachbarn nicht gefunden haben. Wie in
Städten und Industriegebieten in anderem Zusammenhang beklagt,
liegt auch hier die Ursache an einem Mangel an
Integrationsbereitschaft, in diesen Fällen von „Zuagroasten“ mit
„Migrationshintergrund aus der Stadt“, die am Land ein ungestörtes
Eigenleben nach alternativen Vorstellungen führen wollen. Sie
werden damit zum Fremdkörper. |
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R. und M. Nehls, |
Und noch
eine Reaktion auf die oben genannten Beiträge: Sehr geehrte Frau Christine Hell, wir glauben, Sie müssen Frau Ellen Wallhaus nicht zum Distelstechen aufs Öko-Feld schicken. Frau Wallhaus hat eigentlich nur die ganz großen Landwirtschaftsbetriebe angesprochen, die es doch fast in jedem Dorf gibt und die mit der Umwelt machen, was sie wollen. Wenn Sie gar nicht mehr von der Arbeit schwitzen wollen, dann kommen Sie am besten nach Wien. Wir freuen uns über jede/n NiederösterreicherIn, gemeinsam können wir dann gemütlich am Sofa sitzen und warten, bis endlich am Monatsende das Geld auf dem Konto liegt. Oder noch besser, geben Sie doch Ihr Fachwissen an die begeisterte Biogärtnerin Frau Wallhaus weiter. Wäre das nicht besonders idyllisch? |
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Hildegard Kruckenfellner, |
Ich lese schon jahrelang Ihre wirklich interessante
Broschüre „NÖ gestalten“. Ich lebe in einer Eigentumswohnung,
bin jedoch in einem Siedlungshaus aus den 40er- Jahren aufgewachsen und
meine Mutter wohnt
noch dort. Also kann ich schon ein wenig über Lärm im
Wohnblock und im eigenen Garten mitreden. In Wohnblöcken geht man
gleich zum Nachbarn und redet über bestehenden Lärm. Wenn man
Glück hat, ist dieser einsichtig, wenn nicht, hat man vielleicht
jahrelangen Terror. Habe ich auch schon erlebt. Bis sich die
Lebenssituationen ändern und der Nachbar ruhiger wird. Zum eigenen
Haus mit Garten: In meiner Jugend (bin 1959 geboren) war es von Klein
auf üblich, wenn mein Bruder und ich im Garten spielten, dass wir
auf die Nachbarn Rücksicht nahmen und nicht zu laut waren. Die
Nachbarsmänner gingen oft Schichtarbeiten und wollten am Vormittag
in Ruhe schlafen. Für mich war es sicher oft ein Problem, ich
neigte zum „Lautsein“. Aber meine Mutter wachte streng darüber,
dass wir uns ordentlich verhielten. |
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Greta Steinbrenner, |
Dieses
ewige Getue in Ihrer Broschüre um „Zuagroaste“ und „Einheimische“
geht mir schön langsam auf die Nerven. Es ist in Wirklichkeit nicht der Konflikt zwischen Leuten, die immer schon hier wohnten, und jenen, die neu hinzugezogen sind. Es handelt sich schlicht und einfach um einen Konflikt, dessen Wurzeln Neid oder Minderwertigkeitskomplexe einerseits sowie Überheblichkeit, Rechthaberei und Unsicherheit andererseits sind. Also ein Problem, das sich durch die Vermischung von Personen ergibt, die am falschen Ort aufeinander treffen. |
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H.-J. Voigt |
Ich lese mit Vergnügen Ihr schönes Heft und auch die
originellen Leserbriefe. Auch wir sind wieder aufs Land gezogen und
fühlen uns gut aufgenommen und angekommen. Wir wohnen im
sächsischen Vogtland in dem großen „multifunktionalen“ Dorf
Weischlitz, immerhin nahe an der böhmischen, einstmals k. u. k.
österreichischen Grenze. |
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Josef Hartmann |
Wir sind
vor 30 Jahren von Wien nach Ollersdorf ins Weinviertel gezogen, nicht
zuletzt um den Kindern mehr Lebensqualität bieten zu können.
Und es war nicht nur möglich, die Kinder jederzeit in den Garten
hinter dem Haus spielen gehen zu lassen anstatt sie auf ein oder zwei
Stunden in einen Park „Äußerln“ zu führen. Während in der Großstadt ein Ausgehen mit mehreren Kindern ein Spießrutenlauf war, wurden wir hier – es war Beginn der Lesezeit – sofort mit reichlich Trauben für die Kinder beschenkt. Natürlich gab es einige Anfangsschwierigkeiten: • Jede soziale Veränderung zieht einen gruppendynamischen Prozess nach sich – in jeder neuen Umgebung muss man sich erst einordnen und einordnen lassen. • Das Grenzland an der March war fast 1000 Jahre lang immer wieder einer eine potenzielle Todeszone durch Aufmarsch - und Wanderungsbewegungen sowohl Ost-West als auch Nord-Süd; klarerweise sind die Menschen instinktiv vorsichtiger als anderswo gegenüber Fremden. • Die Anonymität einer Großstadt ist einerseits isolierend, andererseits ein Schutz der Privatsphäre; die Familiarität eines Dorfes verbindet, begünstigt aber auch Tratsch. • Etwa 85% der Ortsbewohner kamen uns wohlwollend bis herzlich entgegen – was man ungerechterweise leicht für selbstverständlich hält; etwa 15% waren auch nach mehreren Jahren noch demonstrativ zurückhaltend, was mehr auffällt, und daher emotional leicht überbewertet wird. Gerade die letztgenannte emotionale Fehlbewertung von Akzeptanz und Ablehnung hat mir nach einiger Zeit Probleme gemacht. Erst als ich mir das Verhältnis 85 zu 15 bewusst machte, war der Eingliederungsprozess für mich positiv abgeschlossen. Seit etwa 25 Jahren ist die Übersiedlung von Wien nach Ollersdorf für mich die zweitbeste Entscheidung meines Lebens (die Beste war die für meine Frau). |
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Christine Hell |
Ich
komme gerade von der Heuarbeit, total verschwitzt, und von der
schwierigen Heuernte die ganze Woche lang wohl schon etwas ausgelaugt
nach Hause. Bei einem Glas Wasser schlage ich schnell Ihre
Broschüre (Ausgabe 125) auf und lese zu meinem Entsetzen den
langen Leserbrief von Ellen Wallhaus. Nun nehme ich mir die Zeit, eine Gegendarstellung darauf zu schreiben und bitte Sie in aller Form und inständigst, diesen Brief von mir auch abzudrucken, weil ich denke, uns Bauern wird beinahe keine Chance mehr eingeräumt, sich gegen solche Vorwürfe von Leuten, die von Landwirtschaft nicht viel Ahnung haben, zu verteidigen. Unser kleiner Betrieb wird nach ÖKO-Richtlinien bewirtschaftet, und weil mein Mann nebenbei arbeiten geht (gehen muss, damit wir uns die Landwirtschaft überhaupt leisten können!), wird unser Betrieb eher extensiv bewirtschaftet. Ich weiß aber auch, mit welcher Distelplage, Unkrauteinlagerung und mit welchen schlechten Erträgen man dann konfrontiert ist. Getreide lässt sich fast auscchließlich nur als Futtergetreide vermarkten. Was wollen Menschen wie Ellen Wallhaus eigentlich? Billig essen und rund ums Haus Landhaus-Idylle pur, Schnitter am Felde wie Anno dazumal, Bauern als Knechte, die Distel stechen, derweil Sie, die Hoheit, nebenan in der Liege liegen und uns betrachten? Wir sind Landschaftspfleger nach wie vor. Leute, die von Landwirtschaft keine blasse Ahnung haben, glauben plötzlich, sie können mit uns fuhrwerken. Wiesen sollen blühen, sollen nicht mehr gemäht werden (wissen diese Menschen eigentlich, wie eine nicht gemähte Wiese in 3 Jahren aussieht?). Dem Vieh soll es gut gehen, besser denn je. Wie es dem Bauern oder der Bäuerin geht, ist denen egal. Aber vielleicht lässt sich Frau Ellen Wallhaus als Distelgraserin, Sensenmäherin, oder für Arbeiten mit der Haue, mit dem Distelstecher, dem Ampferstecher gut einsetzen? Ich würde überall hinfahren, sie bei größter Tageshitze anzufeuern! |
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Stefan Wanecek, |
Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, habe immer dort gelebt und bin erst mit 68 Jahren in die Stadt gezogen, um hier meinen Lebensabend zu verbringen – also genau umgekehrt zu den Zuagroasten, die in der Pension ins Dorf ziehen. Ich glaube, viele Einheimische haben Angst vor den Zuagroasten, weil diese oft besser gebildet sind oder mehr Geld haben. | ||
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Ellen Wallhaus, |
Wir sind
vor fast 20 Jahren aus der Stadt aufs Land gezogen (Bezirk Neunkirchen), weil meine Familie und ich die Natur lieben und in der Natur leben wollten. Ein Bio-Traumgarten voller leckerer Beeren, Blumen, Gemüse und natürlich auch „Unkraut“– die Artenvielfalt an Schmetterlingen, Kröten, Blindschleichen, Käfern usw. geben uns recht. Gleich neben uns Felder: Eintönige Monokultur, künstlich überdüngt, niedergespritzt mit Herbiziden, Pestiziden, Fungiziden und was die chemische Industrie sonst noch bietet. Bei „falschem“ Wind in unsere Richtung haben wir tagelang Kopfweh und Durchfall, etliche Pflänzchen, liebevoll gepflegt, haben den Chemieeinsatz des „Landschaftspflegers Landwirt“ nicht überlebt. Kontakt mit dem Großteil der Bevölkerung haben wir nicht. Wir sind ja nicht wegen der „sooo“ freundlichen Menschen hergezogen, die dir freundlich ins Gesicht lächeln und hinter deinem Rücken über alles und jedes sich das Maul zerreißen. Ich seh ja ein, dass das Landleben manchmal ein wenig intellektuell unterfordernd ist, aber das ist ja noch lange kein Grund, dass umweltbewussten Radlern gleich unterstellt wird, den Führerschein wegen Saufens verloren zu haben (wir sind Antialkoholiker!), oder ein Versicherungsberater, der im Privatauto vor der Tür steht, gleich zum Liebhaber gemacht wird. Wenn die Einheimischen aus ihren billigen Ackerland dank der Umwidmung durch die Gemeinde plötzlich wertvolles Bauland an die Zuagroasten verkaufen können, ist es ihnen recht, aber damit hat es sich schon. Da wohnen und vielleicht auch noch die Ordnung der „Dorfkaiser“ zu untergraben, weil man es nicht goutiert, dass am Sonntag die Kreissäge stundenlang läuft oder das Gerümpel vom Autoreifen bis zum Laminatverschnitt einfach verbrannt wird, da hört sich doch alles auf. „Des ham mir imma so g’mocht!“, und dann kommt da so a Zuagroasta und will IHM sagen was erlaubt ist! Und so mancher Einheimischer hat mir heimlich auch schon einmal zugeraunt, dass er es toll findet, dass wir es „dem Großkopferten“ so richtig gezeigt haben. Konflikte entstehen immer nur dort, wo einige glauben, dass Gesetze und Rücksichtnahme für sie nicht gelten. Ob allerdings jemand neue Vorhänge hat oder vegetarisch kocht, geht niemanden etwas an! Wir leben so, dass wir niemanden belästigen oder stören. Ist es da zuviel verlangt, dass wir das selbe auch von unserer Umwelt erwarten? |
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Gudrun Rathbauer, |
Zum Brief von Frau Rathmeier aus Linz (in Ausgabe 123):
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Ulrike Kauth, |
Zum
Beitrag von Frau Franziska Potzmann (Thema Treibjagd) möchte ich
bemerken, dass es unwahr ist, dass alle Leute Wild essen. Vielen ist
das Reh im Wald doch lieber als auf dem Speiseteller. Die Einstellung, dass der Hase selber schuld ist, wenn er ins Auto läuft, hat wohl sie selbst, ich, und sicher die meisten anderen, nicht. Mit Dekadenz hat das gar nichts zu tun sondern mit der Auffassung, dass Wildtiere in die Natur gehören, die als Regulativ das Eingreifen des Menschen nur dort nötig macht, wo schon zu viel zerstört worden ist. Ich befürworte die Jagd nicht und bedaure es, dass diese Dame von Wien auf das Land ziehen will, denn auf diese Art von Zuzug würde ich lieber verzichten. |
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Susanne Fischer, |
Sehr
geehrte Frau Elenora Rathmeier aus Linz, ich antworte auf Ihren
Beitrag, der in Ausgabe 123 veröffentlicht wurde. Genau deswegen sind manche „Zuagroaste“ so unbeliebt bei den Einheimischen, nämlich weil die „Zuagroasten“ glauben, etwas Besseres zu sein: G'scheiter, gebildeter und überhaupt mehr wert als die Landbevölkerung. Aber Sie, als „Zuagroaste“ (sie sind ja – genau genommen – gar keine als Wochenendhaus-Besitzerin) machen da einen „Denk“fehler: Sehr wohl kann die Landbevölkerung über ihren Tellerrand blicken, und sehr wohl gibt es eine Gesprächskultur, wenn auch nicht immer eine solche, wie Sie sich es offensichtlich wünschen: Eine so genannte gesittete Kommunikation, so wie Sie das verstehen, haben die meisten von den Einheimischen (vielleicht) nicht. Umso mehr ist in den oft urigen, erdgebundenen und spontanen Aussagen und Gedanken viel mehr Klugheit und Weisheit herauszuhören als in vielen der „gesitteten Meinungsaustausche“ der so genannten intellektuellen Welt. Man muss nur imstande sein, dies auch zu verstehen und zu begreifen. Das von Ihnen zitierte „Schmähführen“ ist mir persönlich auf jeden Fall lieber, als das säuerliche Getue der selbsternannten Oberg’scheiten. Haben Sie schon einmal ernsthaft einem Bauern (oder einem anderen Einheimischen) zugehört und – wenn ja – die Kraft seiner Worte verstanden? Wenn sie Ausflüge in die Natur machen, wie Sie schreiben, und die Ruhe des Landlebens genießen können: Wer hat denn dafür gesorgt, dass die Natur schön bleibt und die Ruhe vorhanden ist? Sie als „Zuagroaste“ wohl nicht – es war die „ungesittete“ und „schmähführende“ Landbevölkerung. Ich frage mich, wer hier nicht über seinen Tellerrand blicken kann. Natürlich: Auch unter der Landbevölkerung gibt es uneinsichtige Engstirnige, Arrogante und Anmaßende – doch die gibt es ja überall, auf der ganzen Welt, ob Stadt, ob Land und daher naturgemäß auch in Linz. |
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Herfried und Sonja Bauer, |
Vor vier Jahren fanden wir (aus Klosterneuburg stammend) nach
zweijähriger Suche im Voralpengebiet unsere „Traumliegenschaft“
zur Errichtung unseres neuen Domizils. Natürlich stellte sich uns
sofort die Frage, ob wir als Voraussetzung zur Steigerung unserer
Lebensqualität als „Zuagroaste“ wohl die Akzeptanz der
angestammten Bevölkerung finden würden. Unsere entschlossene
Antwort war, auch mit 71 bzw. 66 Jahren den Neubau zu wagen,
örtliche Professionisten bei Hausbau und Gartengestaltung zu
beschäftigen, Haus und Nebengebäude stilmäßig dem
ländlichen Raum anzupassen und noch vor Baubeginn die Nachbarn mit
einem Modell des Hauses über das Projekt zu informieren. |
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Herbert Niedermayer |
Hat
schon einmal jemand darüber nach gedacht, wie sehr die Zuagroasten
die örtlichen Traditionen oder das gesellschaftliche Gefüge beeinflussen oder vielleicht sogar bestimmen, indem sie neue Ideen und Ansichten in den Ort bringen? Haben wir uns schon überlegt, ob dies ein Vorteil oder ein Nachteil für das Dorf ist? |
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Franziska Potzmann |
Halb
zugereist, halb mit der örtlichen Bevölkerung verwandt,
Kindheit bei der Oma am Land verbracht und auch die Ferien, also nicht
wirklich fremd, und wir wurden zur Treibjagd eingeladen. Für uns
eine Ehre, bedeutet es doch in den Ortsverband aufgenommen zu sein. Als
Tochter eines Fleischhauers bin ich nicht zimperlich und
Verständnis für die Jagd haben wir. Es war ein herrlicher
Tag, schönes Wetter gute Laune, Achtung und Ehrfurcht lag in der
Luft, niemand der 65 Köpfe zählenden Jagdgesellschaft ging
mit Oberflächlichkeit und Brutalität ans Werk, Weidmannsheil
der Gruß beim Eingeteiltwerden, die Treiber waren respektiert,
und was mich am allermeisten begeistert hatte, war die Arbeit der
Jagdhunde, Fleiß, Wissen um die Aufgabe, Gehorsam und
instinktives Gefühl für die Würde auch eines toten Hasen. Und wer hat sich mordsmäßig aufgeregt: ein unbeteiligter, vorbeifahrender Wiener, am Autokennzeichen ersichtlich. Jäger braucht keiner, Jagd ist Mord etc. Mit Gelassenheit hat unser Jagdleiter einfach nichts dazu gesagt, Achselzucken, es wäre immer das gleiche, Aufregung und Beschwerde ist fast bei jeder Jagd an der Tagesordnung. Ich frag mich, woher das kommt: Essen besagte Leute kein Wild bei den viel gepriesenen Wildwochen, Hasenpastete und sonstige Delikatessen? Und die Menschen, die das Weidwerk ausüben, sind sie Schlächter und daher zu verachten? Am Land wollen sie alle sein, Verständnis und Teilnahme, zumindest Akzeptanz, sind allerdings die großen Unbekannten. Ich will nicht wahrhaben, dass unsere Gesellschaft bereits solche Dekadenz-Erscheinungen aufweist. Wer tut sich denn was an, wenn der Hase ins Auto läuft? Da war er doch selbst schuld, der dumme Hase. |
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Elenora Rathmeier, |
Mir als
zeitweise Zuagroastem sind, ganz ehrlich gesagt, die Einheimischen
mittlerweile völlig wurscht. Die, die noch nie über den
Tellerrand ihres Dorfes hinaus geschaut haben, führen das
Kommando, und das mit Ansichten, die rückständiger nicht sein
können. Wenn sich Gespräche auf reines Schmähführen reduzieren, wenn ein Meinungsaustausch und eine gesittete Kommunikation nicht möglich sind, dann brauch ich mit denen auch nicht mehr reden, wie ich leider nach jahrelangen Versuchen resigniert einsehen musste. So genieße ich eben das, weshalb ich mir ein Wochenendhaus in diesem Dorf zugelegt habe: die Ruhe, die Natur und die Ausflüge in die Umgebung. Denn wegen der Einheimischen, um die ich mich ja eingangs bemühte, habe ich das Haus ja schließlich nicht gekauft. |
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Eva Hofstetter, |
Antworten auf den Beitrag von Henry Schmidt, Ausgabe 120, Juni 2008:
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Herbert Fürmayr, |
Ein Dankeschön an Henry Schmidt, dass endlich einmal jemand ausspricht, was auch mir als Einheimischem gewaltig auf die Nerven geht: Es hat immer der Recht, der am Lautesten spricht, nicht der mit den besten Argumenten. Wie ich beobachten musste, ist dies vor allem in Waldviertler Dörfern eine sehr weit verbreitete Unart. | ||
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Marianne Graf, |
Auf
Initiative unseres Dorferneuerungsobmannes DI Hans Häusler werden
„Zuagroaste“ besucht und „Willkommen geheißen“. In der
Ortszeitung „Über-Drüber-Langschlag“ haben dann unsere neuen „Einheimischen“ Gelegenheit, von sich, ihren Ideen und ihrem Leben zu berichten, und auch der Dorferneuerungsobmann berichtet von seinem Besuch. Es ist eine schöne Form des Ankommens in einem Dorf. Zuagroaste können die Geschehnisse und Entwicklungen einer bestehenden Gemeinschaft aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten und wichtige Impulse setzen. Zusätzlich bringen sie oft viel Potenzial und Engagement mit. Durch das engagierte Mitarbeiten der neuen Gemeindebewohner wurden in der Vergangenheit bereits viele neue Entwicklungen in Gang gesetzt. Bestes Beispiel dafür ist der Obmann unseres Dorferneuerungsvereines selbst: Der Deutsche Hans Häusler entdeckte bei der Durchreise gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin am Marktplatz ein denkmalgeschütztes verfallenes Gasthaus. Gemeinsam wählten sie Langschlag als ihren Lebensmittelpunkt und schufen im Ortskern einen Kultur- und Seminarbetrieb. Das Waldviertel hat aber auch genug Platz und Raum um Rückzugsbereiche für Menschen zu bieten, die hier in der Anonymität ein abgeschiedenes Leben führen möchten. So weiß ich einige Größen aus Literatur, Film, Politik, die fast unerkannt Tür an Tür mit Einheimischen einige Monate des Jahres ein beschauliches zurückgezogenes Leben führen können. Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass es gilt, einfach Toleranz zu üben - und zwar gegenüber jeglicher Lebensführung, ob zurückgezogen, engagiert oder bewusst gewählt fast in der Anonymität und egal, ob es sich dabei um Einheimische oder Zuagroaste handelt. |
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Karsten-Hinrich Festge, |
Meine
Frau (Wienerin, 69) und ich (71, Münchner) sind vor demnächst
12 Jahren in der Pension in eine kleine Gemeinde am Fuß der
Rosalia gezogen. Ich galt hier als Hamburger. Denn ich war in der Tat
von dort gekommen und hatte dort 32 Jahre meinen Beruf ausgeübt.
Als wir uns bei „unserem“ sehr tüchtigen Bürgermeister nach
Pfingsten 1996 als „Neubürger“ vorstellten, sagte der
lächelnd sinngemäß: Norddeutsche sind hier immer willkommen, auch mit ABKonfession, bei anderen müsse man erst mal schauen. Dieses für mich überraschende Misstrauen hat sich inzwischen gelegt! Uns stört es nicht, wenn ab 6 Uhr morgens die Traktoren an unserem Anwesen mit Anhängern vorbei scheppern, wir sind beglückt vom Morgenkonzert unserer zahlreichen Amseln, Meisen und Spatzen. Und wir genießen den Chor unserer vielen „Froschi“. Dass wir das so empfinden, mag daran liegen, dass wir beide am Land großgeworden sind, meine Frau in Wien-Speising, das damals nach ihrer Schilderung noch „bukolisch“ gewesen sein muss, ich auf einem Bauernhof meiner Familie im Braunschweiger Land. Unsere beiden Berufe haben uns – gegen unsere Natur – in Großstädten festgehalten. Erst hier sind wir wieder glücklich und zufrieden geworden. Und als gebürtiger Bayer – 9 Jahre meines Lebens war ich dort– verstehe ich nicht nur die Sprache der Niederösterreicher, sondern auch ihre Mentalität– sie ist auch meine. Die frühe Kindheit prägt Menschen mehr, als man meinen sollte. |
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Henry Schmidt, |
Die
Sturschädel-Mentalität der „gstandenen Mannsbilder“ in einem
kleinen niederösterreichischen Dorf haben mich dazu bewogen, nach
acht Jahren als „Zuagroaster“ wieder nach Wien zurückzukehren. Es war einfach unerträglich, dass Kommunikation ausnahmslos auf tiefstem Niveau und in der Regel nur als „Nebenprodukt“ beim Kartenspiel stattfindet, oder auch, dass bei Diskussionen immer der Recht hat, der am lautesten spricht. |
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Rosina Högl-Rehner, |
Ich bin heimatvertriebene Nordsiebenbürgerin. Meine erste
Bleibe fand ich im Winter 1944 in NÖ, im Weinviertel in
Mühlbach. Ich war damals 6 Jahre und hatte keine mir passende
Winterkleidung, besonders Schuhe fehlten mir sehr, ich konnte daher
auch nicht hinaus. Die Schule war mangels Brennmaterial geschlossen. |
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Fam. Scheiber, |
Vielleicht war die Bekanntschaft mit dieser Broschüre ein
Omen schon lange vor unserem ersten Kontakt mit unserer nunmehrigen 2.
Heimat – für unsere nicht abreißende „Zuneigung“ nach dem
Waldviertler Menschen und seiner Kulturlandschaft. Gezeichnet als stur,
verschlagen, hinterwäldlerisch usw. (als Tiroler wissen wir, was
diese Attribute wirklich bedeuten!) sind wir vor mehr als 16 Jahren das
erste mal als Urlauber in diese Region gekommen und wurden bald zu
„Wochenend-Häuslern“. Kurz und gut – der „Zufall“ hat uns ins
tiefste Waldviertel in ein 36-Häuser-Dorf verschlagen und dort hat
sich Wochenende um Wochenende, Jahr um Jahr für uns „Heimat“
entwickelt – wenn auch zur Zeit leider noch Zweitheimat. |
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Kerstin Frauendorfer und |
Vorweg:
Wir sind auch sogenannte „Zuagroaste“. Uns hat es vom schönen
Dresden ins Weinviertel verschlagen. Zugegeben, die Ölpumpen auf
den Feldern haben uns etwas abgeschreckt, aber irgendwie gehört
das auch zum Landschaftsbild in dieser Region. Wir lieben Wein und wir lieben die Menschen hier. Vor 2 Jahren, kurz nach Weihnachten sind wir nach Obersulz gezogen. Bei unserer Ankunft hingen kleine Geschenke und Willkommensgrüße an der Tür . . . die Nachbarn kamen sich vorstellen und boten ihre Hilfe an. Ein bischen wie zu DDR-Zeiten, da gab es auch noch die netten und hilfsbereiten Nachbarn, nach der Wende wurde das leider anders. Inzwischen fühlen wir uns hier wirklich wohl und willkommen, wir helfen den Weinbauern und sie uns. Langsam entsteht auch bei uns das Gefühl: Heimat. Beide sind wir Hobbyfotografen und uns haben es die Kellergassen, Kellergassentüren und die Landschaft einfach angetan. |
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Christa König,
Waldviertel, |
Ich beziehe die Zeitschrift „NÖ gestalten“ schon einige
Jahre und hab daraus schon einigen Nutzen, vor allem aber immer wieder
nette Anregungen ziehen können. |
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Karl Kolar |
Ich bin letztes Jahr im Herbst von Wien nach Zistersdorf im
schönen Weinviertel gezogen, weil ich nach 53 Jahren Wien in
mehrfacher Hinsicht satt hatte. Die Ortswahl war reiner Zufall, weil
ich im Internet ein altes Fuhrwerkerhaus zum Verkauf sah, das meinen
Interessen hundertprozentig entsprach. Leider muss ich noch einige
Jahre in Wien arbeiten und bin daher zum täglichen Pendler
geworden. |
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Manfred Kuzel |
Ein
Zuagroaster wird immer ein Zuagroaster bleiben. Die Frage ist nur, was
man aus dieser Tatsache macht und ob und wie man sich integriert. Wenn
sich ein Zuagroaster nicht in die bestehende Gesellschaftsstruktur
integrieren will, wie das aus einigen Beiträgen hervorgeht, dann
wird er immer ein Außenseiter bleiben. Und wenn das beabsichtigt
ist, dann ist dagegen auch nichts einzuwenden. Möchte er sich aber integrieren, dann wird das in den meisten Fällen auch möglich sein. Integration setzt nämlich die Bereitschaft von beiden Seiten voraus und in den meisten Fällen gilt das Sprichwort „wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch zurück“. Ich selbst stamme aus der Großstadt, habe viel Freizeit in einem Wochenendhaus verbracht, solange ich noch berufstätig war, und lebe nun seit Eintritt in den Ruhestand praktisch ständig im Weinviertel. Ich bin ein sehr extrovertierter Mensch, der auf den Mitmenschen zugeht und sich auch entsprechend engagiert. Dennoch hatte ich damals mit dem Wochenendhaus keine rechte Freude, weil es mit dem Grundstücksnachbarn trotz viel Toleranz meinerseits einfach nicht klappen wollte. Ich zog die Konsequenzen und siedelte mich im Weinviertel an. Hier stimmt einfach alles. Ich engagiere mich, arbeite ehrenamtlich im Gemeindeamt mit, wurde zum Obmann des örtlichen Geselligkeitsvereines gewählt, wurde in den Vorstand des hiesigen Hauptbezirksverbandes des Kameradschaftsbundes gewählt, bin Mitglied des Weinbauvereines etc. Dennoch bin ich ein Zuagroaster, der aber von den Einheimischen voll akzeptiert wird. Und das ist doch was, oder? Natürlich kann man – so wie ich seinerzeit – das falsche Grundstück für sein Wochenendhaus wählen oder auch im Wiener Gemeindebau die „falsche“ Stiege erwischen, wie in einem Beitrag zu lesen war. Wenn der Traktor stört, die Kirchenglocke zur „Unzeit“ läutet, der Hahn dann kräht, wann er das immer macht oder das Kindergeschrei zu laut ist (was ich überhaupt nicht verstehe, denn Kinder haben mich noch nie gestört, auch dann nicht, wenn sie stundenlang im Planschbecken des Nachbarn gekreischt haben), dann sollte man sich einfach eine andere Bleibe suchen oder dorthin zurück gehen, woher man gekommen ist. |
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Joachim Drosihn, |
Ihr
Forum ist ja höchst interessant und unterhaltsam. Außerdem
finde ich Ihr Engagement auf diesem Gebiet als Betroffener sehr
lobenswert.Vielen Dank für die Möglichkeit des
Gedankenaustausches. Wie so oft im Leben, enthält jede getroffene Aussage zumindest einen Teil Wahrheit. So auch hier. Sowohl die Einheimischen als auch die Zugereisten haben von ihrem Standpunkt aus und ihrer Sichtweise her recht und unrecht zugleich. Denn neben den ganz persönlichen Erwartungen und Erfahrungen des Einzelnen, bestehen – unbewusst – zumeist Vorurteile gegenüber der jeweils anderen Gruppe. Und dies wird sich vermutlich aufgrund unserer mitteleuropäischen Mentalität, in den nächsten Jahrzehnten zumindest, nicht ändern. Meine Frau und ich übersiedelten vor knapp fünf Jahren von Deutschland nach Österreich ins Waldviertel. Als wir diesen Schritt unternahmen, kam es uns überhaupt nicht in den Sinn, uns Gedanken über eventuell auftretende Probleme hinsichtlich der Integrierung zu machen. Wir bezogen unser Haus und nach einem ausgiebigen Schlaf nach der überstandenen Anstrengung des Umzuges stellten wir uns bei den unmittelbaren Nachbarn vor und genossen erst einmal die mehr oder weniger gute Gastfreundschaft. Wir luden diese wiederum zum Gegenbesuch ein, passten uns den Gepflogenheiten des Ortes an, hielten Tor und Tür ständig offen und interessierten uns für die kulinarischen Spezialitäten der Region. Wir suchten ständig den Kontakt mit den Leuten im Dorf und boten unsere Hilfe bei anstehenden Arbeiten an. Wir nahmen Ratschläge an und konnten auch welche geben. Wir trafen uns zum Grillen und Kartenspielen und interessierten uns für die großen und kleinen Probleme der Bauern. Dies alles wurde zwar wohlwollend aufgenommen und mit Freundlichkeit honoriert, aber der Durchbruch war es nicht. Wir wurden weiterhin mit Argwohn beobachtet und eine gewisse Distanz war spürbar. Bis zum Tage X. An diesem Tag kaufte ich mir einen Traktor. Einen alten Steyrer aus den 1950er Jahren. Mein erster Traktor überhaupt. Da einer unserer Nachbarn uns anbot, wir könnten uns Brennholz aus seinem Wald holen, so war für mich diese Entscheidung leicht und logisch. Nachdem der Traktor da war, schenkte uns eben dieser Nachbar noch einen alten einachsigen Hänger dazu und auf ging’s im Winter zum Holzen. Wir waren zwei Monate nahezu ununterbrochen fleißig und schnitten, sägten und schlichteten. Im Frühjahr baute ich einen Zaun um ein kleines Grundstück von uns und besetzte es mit sieben Enten. Wir holten uns Steine von Schutthügeln und Weidenstecken vom Bach und verschönerten unseren Innenhof. Meine Frau legte zwei Gemüse- und Kräutergärten an und ich half dem Bauern, von dem wir unser Holz kostenlos bekamen, beim Betonieren seines Kuhstalls. Und jetzt war das Eis gebrochen. Es entwickelte sich eine nahezu familiäre Beziehung zwischen uns. Wir wurden als „super Nachbarn“ betitelt. Fazit: Integration im kulturellen Bereich ist wichtig. Wichtiger aber als diese ist das Einbinden in das alltägliche Geschehen und vor allem die Bereitschaft, selbst Hand anzulegen. Meine Frau, eine geborene Piefke, mittlerweile aber halbe Österreicherin, hat ihre beste Freundin in Österreich gefunden. Ich, ein Schwabe und Piefkeverachter, werde ab Frühjahr 2008 nun ebenfalls Landwirt. Beide lieben wir das Landleben. Beide ziehen wir unsere Gummistiefel an und arbeiten mit der Natur und manchmal, bei Sturm, Regen und Schnee, gegen die Natur. Und eines muss den Zugereisten, und hier vor allem den Städtern, klar sein: Es ist zwar möglich, dass ich mich auf dem Land von den Menschen abschotte und nur für mich alleine leben kann und dies, ohne dass ich deswegen Ärger mit der hiesigen Bevölkerung bekomme. Aber es ist nicht möglich, dabei die auf dem Lande üblichen und auch notwendigen Abläufe zu kritisieren oder gar zu stören, ohne auf berechtigte Gegenwehr zu stoßen. In Deutschland setzte der Prozess der Stadtflucht bereits viel früher ein als hier in Österreich. Wenn ich mir beispielsweise meinen Heimatort anschaue, der in meiner Kindheit ungefähr 2.500 Einwohner zählte und von denen ca. ein Drittel aus Bauern bestand, so wohnen heute bereits ungefähr 6.000 Menschen dort und Bauern gibt es kaum noch. Immer mehr Städter bekamen Baugenehmigungen und Wiesen und Äcker verschwanden zunehmend. Sämtliche Kleinbauern gaben auf und ein Landleben gibt es nicht mehr. Man kann zwar die Strukturen beider Länder nicht unmittelbar miteinander vergleichen, doch de facto sind die Mechanismen in dieser Problematik dieselben. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich die ländliche Struktur noch sehr, sehr lange erhalten kann und dass sich die Zuagroasten ihrer Verantwortung bewusst sind. |
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Günther Schlögl, |
Schön
langsam habe ich das Geraunze der so genannten Zuagroasten satt. Was wollen sie eigentlich? In ihrem Beitrag in Ausgabe 111 widerspricht sich Traude Walek-Doby. Sie meint: „Zuwanderung passiert dort, wo Fremde herzlich aufgenommen werden“. Ja warum zog sie dann in das gar so „fremdenfeindliche“ Waldviertel? Scheinbar weil die Grundstückpreise im Keller sind. Wenn Städter aufs Land ziehen, so glauben sie immer, sie müssten die zurückgebliebenen „Landler“ aufklären und ihnen erst die Kultur bringen. Es gibt nichts Schrecklicheres als einen Fremden, der sofort das Du-Wort anbietet. Da bleibt keine Zeit zum Kennen lernen, man wird einfach überfahren. Eine Frage an die Zuagroasten: Wie viele Mieter in ihrem Stadtwohnhaus oder Ihrer Gasse kennen Sie? Mit wie vielen haben Sie engen Kontakt? Wie viele haben Sie schon zu sich eingeladen? Dass am Land viele per Du sind, hängt mit gemeinsamer Jugend und langer Bekanntschaft zusammen. Da kann man nicht mit dem Holzhammer dreinschlagen und glauben, nur weil man jetzt da wohnt, gehört man schon dazu. Ich selbst stamme aus einem kleinen Ort in NÖ, lebte 15 Jahre in Wien und wir kannten alle Bewohner unseres Wohnhauses im 16. Bezirk. Mit zwei Parteien sind wir befreundet. Jetzt lebe ich in einem kleinen Ort in der Nähe der Schallaburg (erst 20 Jahre als Zweitwohnsitz und seit 16 Jahren Hauptwohnsitz). Ich habe mit den Nachbarn keine Probleme. Ein oder zwei Spinner gibt es in jedem Ort, aber die belästigen alle Dorfbewohner, nicht nur die Zugezogenen. Ich kenne die Bewohner unserer Gemeinde, aber eingeladen werden nur Freunde. Manchmal ergibt es sich, dass man sich bei einer Feier besser kennen lernt und eine neue Freundschaft entsteht. Aber behutsam und nicht mit dem Holzhammer. Ich würde wahrscheinlich für verrückt gehalten, wenn ich einen meiner entfernteren Nachbarn zum Kaffe einlade. So möchte ich den Zuagroasten sagen: Bekanntschaft braucht Zeit und Vertrauen, und recht erst Freundschaft. |
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Regina Decker, |
In
unserer Nachbarschaft lebt so ein „Zuagroaster“, der sich leider, ohne
viel nachzudenken, einfach über die normalsten und wirklich
bodenständigsten Sachen hinwegsetzt. Da wird, mitten im Siedlungsgebiet, prinzipiell sonntags gehämmert und gesägt, der Sohn der Familie lässt am liebsten sonn- und feiertags, am allerliebsten um die Mittagszeit, seinen funkgesteuerten Wagen fahren, der sicher die Lautstärke eines Kleinflugzeuges erreicht. Frühmorgens um fünf, wenn die Frau das Haus mit dem Auto verlässt, hetzt der Hund keifend und bellend hinterher. Apropos Hund: Da wird einfach die Haustür aufgemacht und der Hund geht dann in die Umgebung gassi. Sollte es einmal jemand wagen, auf eine dieser unangenehmen Dinge hinzuweisen, dann wird er nicht mehr gegrüßt und es wird sehr unangenehm. Also lässt man es und ärgert sich. Also, wie man sehen kann, liegt es an den Menschen selbst, ob sie sich einleben wollen oder nicht. In solchen Fällen denke ich, solche Familien bleiben besser in der Anonymität der Großstadt, vielleicht fällt dieses Betragen dort nicht so auf. Ich bin hier aufgewachsen, mein Mann, ein „zuagroaster“ Kölner, in Pension, wir beide leben sehr gerne hier auf dem Lande und wir lieben und verstehen auch die Menschen hier, und wir haben hier auch unsere Freunde. Die Loicher sind ganz liebe Menschen, und wenn einer hier nicht alleine sein will, dann wird er auch herzlich aufgenommen. Wie überall auf der Welt gibt es auch hier kleinere Reibereien, die aber immer bereinigt werden können. Ich liebe mein Niederösterreich und ich möchte hier nicht um viel Geld der Welt fort. Und ich weiß, wovon ich rede, da ich fast 30 Jahre lang weg war und jetzt wieder hier sein darf. |
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Elisabeth
Schöffl-Pöll, |
Als
gebürtige und wohnhafte Weinviertler eigneten wir uns als
Zweitwohnsitz in der Nähe unserer ausgesiedelten Vorfahren aus
Edelbach in der Gemeinde Krumau am See ein Häuschen an. Der erste sonntägliche Ausgang führte uns in das nahe Bootshaus des Campingplatzes, wo ein Fest stattfand. Am Tisch kamen wir mit den Einheimischen ins Gespräch und erzählten von uns. Fazit: „Der ganze Tisch“ ging anschließend bereitwillig mit uns in unser Waldhäusel, wo bei Wein und Schmankerln eine offene Plauderei entstand. Es dauerte nicht lange, wurden wir von allen drei Ehepaaren großherzig in ihre drei Häuser eingeladen, wo wir reichlich bewirtet wurden. Wir mussten uns sogar ein wenig zurückziehen, wollten wir uns doch im neuen Zweitwohnsitz erholen! Wenn Schwierigkeiten auftreten, dann eher mit den zugezogenen Zweithäuslern. Wie bei allen Dingen: Mit gutem Beispiel muss man anfangs immer unaufdringlich vorangehen. |
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Andrea Kraus, |
Ich lese
am liebsten Ihre Plattform „Zuagroast“. Gegenseitige Toleranz und nicht alles auf die Waagschale zu legen hilft beim friedlichen Zusammenleben. Niemand soll sich für besser oder wichtiger halten als der andere. |
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Hardo Eder, |
Zum
Leserbrief von Herrn Erich Blauensteiner, der offensichtlich schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann ich nur sagen, er möge sich bei der eigenen Nase nehmen. Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es zurück. |
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Dr. Oskar Nawratil, |
Nach
langjährigem Aufenthalt im Ausland pachteten wir in der Nähe
Tullns ein Grundstück, erwarben dann im Nachbarort rund 3.000 m2
Grund, der damals eine G´stettn war, in dem bei Übernahme
noch eine Rehgeiß samt Kitz lebte und beim Öffnen des
Stadltores eine Eule heraus strich. Nach nunmehr 40-jähriger „Bewohnung“ des ehemaligen, völlig umgebauten Forsthauses ist aus der G´stettn ein blühender Park geworden, den meine Frau mit großer Liebe betreut und pflegt und um den wir von unseren Freunden sehr beneidet werden (nicht allerdings um die viele Arbeit, die damit verbunden ist!). Eine von der Küche aus zugängliche kleine und eine große Terrasse ermöglichen, das Wohnhaus in den Garten zu integrieren. Gäste aus der Umgebung, oft auch zusammen mit unseren alten Bekannten, sind zu lieben und auch hilfsbereiten Freunden geworden. Wir haben uns von Anfang an nie abgesondert, ob Kirche oder Wirtshaus, ob Feuerwehrfest oder Kirchgang zu Allerheiligen – weshalb sollten wir uns in dieser geschaffenen Heimat nicht „sauwohl“ fühlen? |
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Franz Zeller, |
Integration
im Waldviertel (silva norica, Nordwald): Wer sich mit der Literatur von
Franz Eppel oder Prof. Franz Traunfellner näher befasst,
könnte die Menschen besser und anders betrachten. Ich will da
nicht die vielen Raubzüge, Morde, Brandschatzungen usw.
anführen, aber die Menschen sind vorsichtiger geworden und die
Naturbewegungen tragen das ihre dazu bei. Diese Menschen sind wundervoll! Ein guter Engel hat mich einst ins liebevolle, gute, menschenfreundliche Waldviertel geleitet. Heute will ich, wie schon öfter, nochmals „Danke“ sagen. |
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Margarita Zwirtmayr, |
„Zuagroast“ lese ich sehr gerne, denn auch ich bin eine „Zuagroaste“, und da kann man auch so manches erleben, besonders in einer kleinen Gemeinde auf einem Berg (660 m). | ||
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Ernestine Gheorghiu, |
Aus
eigener Erfahrung können wir nur das Beste sagen. Wir sind seit 10
Jahren jeweils ein halbes Jahr in unserem Haus am Land. Wir haben uns
am Beginn sofort bei jeder Hausbesitzer-Familie im „Grätzl“
vorgestellt. Wir waren vom Herzen interessiert an jedem Einzelnen
dieser Nachbarschaft. Und wir erhielten und erhalten für unser
Interesse viel Liebe und Gegengefühl zurück. Wir waren ganz
schnell keine sogenannten Zuagroasten mehr. Auch wenn wir das restliche
halbe Jahr in Wien wohnen, sind wir uns telefonisch sehr zugetan. Ich
glaube, man sollte nicht Vorurteile haben, Urteile nicht zu schnell
fällen, sondern die Menschlichkeit walten lassen. Menschlich sein,
herzlich sein, zugeneigt sein. Dann lauft es sicher gut. Eine
schöne Zukunft denen, die unter „Zuagroast-sein“ leiden! |
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Name und Adresse |
Der
Anstoß zu meinem heutigen Schreiben ist die Rubrik „Zuagroast“.
Diese Diskussion – sollte sie auch, solange das Publikumsinteresse
anhält, weitergeführt werden – halte ich für
müßig. Meine Ehefrau, die nie aus Wien wegziehen wollte, weil sie die dort vorhandene Infrastruktur über alles schätzt, hat sich mittlerweile hervorragend eingelebt. Sie ist involviert in Aktivitäten der Kirche, des Tierschutzes und der Kinderfreunde, sie wird geschätzt und als Freundin betrachtet von Menschen, die seit Generationen ortsansässig sind, wie auch von solchen, die erst nach uns in diese Gegend zogen, und ich sehe den Grund darin, dass sie von offener Wesensart, aufgeschlossen und extrovertiert ist. Ich hingegen, der ich ein Leben auf dem Lande stets vorzog, bin infolge meines Einzelgängertums zwar durchaus respektiert, finde jedoch keinen rechten Kontakt zu den anderen Einwohnern meines Dorfes. Deshalb glaube ich, dass der Kontakt zwischen Nachbarn grundsätzlich auf persönlicher Wesensart beruht. Keinesfalls bin ich jedoch der Ansicht, dass die Umgebung prägend wirkt. Die Dame, die sich im Februar-Heft äußerte, tut mir zwar leid, ich gebe aber zu bedenken, dass man auch im Wiener Gemeindebau (wo wir herkommen) die „falsche“ Stiege erwischen kann, auf der vielleicht lauter Muffeln, wie ich es bin, wohnen. Unzulässig finde ich es, das Dorf oder ländliche Strukturen dafür verantwortlich zu machen. |
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Name d. Redaktion bekannt |
An Herrn
Mayer, der den Artikel (Erster von oben) geschrieben hat. (Habe heuer
das erstemal Ihr Heft „NÖ gestalten" bekommen.) Habe mich jetzt
sofort hingesetzt, weil ich Ihnen unbedingt antworten muss. Ich hätte sehr gerne gewusst, wo Sie wohnen? Denn dort würde ich auch gerne bei so netten Nachbarn wohnen. In Wirklichkeit sieht es aber anders aus, als Sie beschreiben. Es geht aber nicht nur mir so, habe durch Zufall zwei Ehepaare gesprochen, die etwas weiter weg wohnen (beim Arzt) und denen geht es nicht anders. Mein Mann und ich wohnen in Gleißenfeld (Bezirk Neunkirchen). Mein Mann ist berufstätig, ich bin zu Hause (49 Jahre). Wir sind vor 4 Jahren von Wien aufs Land gezogen. Wohnen etwas außerhalb des Ortes, haben aber in der Umgebung sogenannte Nachbarn. Es grüßt zwar jeder freundlich den anderen, aber ansonsten schnell nach Hause. Der andere könnte ja vielleicht etwas wollen, darum hat es jeder immer sehr eilig. Dabei sind in meiner nächsten Nähe viele alleinstehend. Eine alleinstehende Frau: Hat immer sehr viel Gartenarbeit – aber einen sehr kleinen Garten. Im Winter muss Sie immer zu Hause stricken. Ein Ehepaar: Er geht arbeiten, sie ist zu Hause, muss sehr viel stricken. Zwei alleinstehende Männer: Wollen keinen Kontakt. Ein Gastwirtehepaar: Haben ganz wenig Gäste, sitzen mittags in der Sonne – aber keine Zeit, auf einen Kaffee zu kommen. So geht es weiter, ich könnte Ihnen noch ein paar Seiten beschreiben. Ich glaube, ich passe mich schon an und werde auch etwas eigenartig. Habe den Artikel sorgfältig gelesen und muss darauf antworten. Ich kann es nicht so stehen lassen. Jetzt meine Bemühungen: Ich bin sehr freundlich, gehe auf Menschen zu. Bin sehr ehrlich und wenn ich ein ungutes Gefühl habe, spreche ich auch die Leute darauf an. Als wir zugezogen sind, habe ich alle in nächster Umgebung angerufen, mich persönlich vorgestellt und zu Kaffee eingeladen. Es sind auch fast alle gekommen. Haben uns auch angenehm unterhalten. Aber nur einmal – wahrscheinlich um zu sehen wie wir wohnen, aus reiner Neugierde. Habe dann nach einiger Zeit meine Einladung wiederholt. Nach fünf oder sechsmal erinnern, habe ich es dann aufgegeben. Ich habe aber die Leute darauf angesprochen, ob Sie keinen Kontakt wollen. Jeder hatte eine andere Lüge parat – selbst ehrlich können sie nicht sein. Soll ich, um Kontakt zu bekommen, in den Schützenverein, Kirchenchor (ich singe schlecht), oder an der Pfarrjause teilnehmen? Da verzichte ich lieber darauf und bin tagsüber allein. Weiß mich zum Glück zu beschäftigen. Um etwas sarkastisch zu sein, habe jetzt auch viel Gartenarbeit und werde im Winter auch stricken. |
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Stefan Kaulich, |
Der
Brief der namenlosen Dame aus Gleißenfeld veranlasst mich, eine
kleine Begebenheit zu erzählen. Wir haben vor einem Jahr ein altes Haus im Ortsverband gekauft und sind nach ein paar Monaten Renovierungsarbeiten eingezogen. Einmal ist uns am Sonntag (natürlich) der Zement ausgegangen. So bin ich losgezogen, um welchen zu borgen. Bei Nachbar Nr. 1 hatte ich den Eindruck, dass alle noch schlafen, da wollte ich nicht läuten. Bei Nachbar Nr. 2 hatte ich schon vorher einmal geschnorrt, der hatte aber nichts mehr, bot mir aber ein Glas Wein an und riet mir, zu Nachbar Nr. 3 zu gehen. Nachbar Nr. 3 war beim Frühstück und telefonierte, während ich ein Stück Kuchen essen musste, mit Nachbar Nr. 1 „weil de san sicha scho woch!“ Als ich in mein Haus zurückkam, lagen im Hof bereits zwei Säcke Zement! Ich habe sicher Glück mit meinen ca. 10 Nachbarn und ich bin für die freundliche Aufnahme im Ort sehr dankbar, andererseits glaube ich einfach nicht, dass in irgendeinem Ort alle Ortsbewohner böse, ablehnend und verlogen sind. Vielleicht sollte man in so einem Fall die alte Regel befolgen, den Fehler erst einmal bei sich selbst zu suchen? |
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Franz Eckl, |
Sehr geehrte gnädige Frau aus Gleißenfeld! Wenn
man als Fremder in ein Dorf kommt, bricht man sozusagen in eine
bestehende Gemeinschaft ein. Ein Dorf ist eine Gemeinschaft, in der
jeder seine Aufgabe erfüllt, und jeder der Bewohner seine laufende
Arbeit hat, seine eigenen Sorgen, und, wie jeder andere auch, seinen
Stolz. Leider müssen manche alte Häuser verkauft werden, weil
es entweder keine Erben gibt, oder diese zu ihrem Arbeitsplatz in die
Stadt übersiedeln mussten. Es ist oft traurig, wenn so ein altes
Haus verkauft wird. Manchmal kommt jemand aus der Stadt, kauft es,
macht rund um sein Grundstück einen hohen Zaun und eventuell noch
einen Stacheldraht oben drauf und beschwert sich bei Gott und der Welt
über die Tierhaltung, verschiedene Gerüche von Misthaufen und
Traktorenlärm. Wenn es zu Problemen zwischen Stadt- und
Landbevölkerung kommt, gehen diese immer von den „Zuagroasten“
aus, denn sie kommen und wollen im Dorf missionieren. Gerade diese Welt ist der Arbeitsplatz der Landbevölkerung, die sehr hart um ihr Brot kämpfen muss. Sie haben das sicherlich nicht so gemacht. Denn Sie wollen ja Ihr Leben in einem schönen naturbelassenen Dorf verbringen. Sie haben zwar alle Dorfbewohner eingeladen, greifen auf der anderen Seite aber gleich wieder das ganze Dorf an. Sie sagen, sie kamen wahrscheinlich nur aus Neugierde. Sie hätten zuerst eine Gegeneinladung Ihrer Gäste abwarten sollen. Das geht nicht so von heute auf morgen. Wie ich schon sagte, hat sicher jeder Dorfbewohner seine eigenen Sorgen und Gewohnheiten. Es ist ja sehr schön, wenn fast alle Ihrer Einladung gefolgt sind. Das Gastwirtehepaar ist auch bestimmt froh, wenn es einmal gemeinsam in der Sonne sitzen kann, wahrscheinlich mussten sie früher jahrelang alleine arbeiten. Warum wollen Sie denn nicht an einer gemeinsamen Pfarrjause teilnehmen oder in einen Verein eintreten? Wenn Sie wirklich einen ehrlichen Kontakt suchen, werden Sie ihn auch finden. Da kann man nicht so einfach sagen, kommt auf einen Kaffee bei mir vorbei. Das sagt man zu einer guten Freundin, und die muss man sich erst verdienen. Sie werden ja bisher auch Bekannte und Freunde gehabt haben und mit denen werden Sie sich auch einmal zusammengewöhnt haben. Die Dorfbewohner haben ja auch bisher ihre eigenen Freunde und Kontakte gehabt. Da kann man nicht sagen, wollts jetzt einen Kontakt oder nicht? Das muss Ihnen ja direkt peinlich gewesen sein, wenn Sie so aufdringlich sind. Da darf man sich nicht wundern, wenn der eine oder andere eine Ausrede sucht, um sein gewohntes Leben weiterleben zu können. Ich bin mir aber ganz sicher, wenn Sie wirklich einmal jemanden brauchen, steht das ganze Dorf zu Ihnen, denn Sie sind ja auch jemand aus der Gemeinschaft. Vor fünf Jahren kauften wir uns einen alten Bauernhof im Waldviertel. Die Bewohner sind auch hier sehr fleißige und freundliche Leute, die einerseits zur Arbeit in die Stadt fahren und andererseits ihre Bauernhöfe bewirtschaften. Manche arbeiten auch nach ihrer Arbeit in der Stadt noch in ihrer Landwirtschaft. Es ist hier alles sehr schön gepflegt und ordentlich. Wir kamen auch als Fremde hierher, akzeptierten die Menschen und ihre Arbeit und wurden auch akzeptiert. Vielleicht hatten wir besonderes Glück mit unseren Nachbarn. Wir wohnen mitten unter den bewirtschafteten Bauernhöfen, hatten auch nie, wie man manchmal hört, Probleme mit Grundstücksgrenzen zwischen den Nachbarn, obwohl wir keinen Zaun um unser Grundstück haben. Wir gehen nicht oft ins Gasthaus, aber wenn wir hinkommen, begrüßen uns die Wirtsleute mit der Hand und die Gäste rücken zusammen und sagen „setzt euch her zu uns“. Es war sicher in der Stadt auch kein schlechtes Leben, aber heute sage ich oft, wir hätten schon vor zwanzig Jahren aufs Land ziehen sollen. |
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Dkfm. Herbert M., |
Warum muss man dauernd über einen „Konflikt“ zwischen „Zuagroasten“ und Einheimischen reden (bzw. schreiben)?. Ist es nicht legitim, dass man (so wie ich) aus der Stadt wegzieht, um eine schöne Landschaft und gute Luft zu genießen, gleichzeitig aber weiterhin seine Ruhe und Anonymität haben will? Mir ist das Dorfleben (ich wohne nun in einem kleinen Ort außerhalb von Mistelbach) herzlich wurscht, ich suche auch keinen Kontakt mit den Einheimischen, denn schließlich bin ich nicht ihretwegen hergezogen sondern wegen eingangs erwähnter Gründe. | ||
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Name und Adresse |
Ich
möchte dem Herrn Ing. so sehr recht geben, der meint, man solle
auch auf dem Lande anonym bleiben können! Ich wohne 15 Jahre (von Wien weggezogen um in Ruhe leben zu können) auf dem Lande, kleiner Ort bei Hollabrunn, doch von Ruhe oder Rücksichtnahme kann nicht einmal im Traum die Rede sein. Meine Nachbarin, eine reiche Bäuerin, die alle Kirchenämter inne hat, wo man wirklich glauben könnte, so etwas wäre nicht möglich, hat jedes Wochenende ihre 5 Enkel im Alter von 2–9 Jahren hier in den sehr engen Höfen (meiner ist 2 m breit) und die kreischen, ich wiederhole kreischen und nicht spielen, sieben Stunden lang, es ist zum Wahnsinnigwerden, Fußball spielen, Ball an die Mauer, auf hohle Bretter springen usw. Ich bin stark sehbehindert, fast 70 Jahre alt, kann nirgends hingehen. Auf meine Intervention sagte man mir, ich soll wieder nach Wien verschwinden, habe hier nichts verloren usw. So etwas geht in die Kirche und will Christ sein! Ich habe alles versucht, den Kindern Spielzeug gegeben, gebeten ruhiger zu sein, es ist nicht weit ein schöner Spielplatz. Alles vergeblich! Rücksichtslos bis geht nicht mehr. Ich muss bei schönem Wetter im Haus sitzen bei geschlossenem Fenster, es ist nicht zum Aushalten. Soweit zur Ruhe auf dem Lande. Es ist grauenvoll! |
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Susanne Scharf, |
Ein
anonymer Leserbrief in Heft (eine Dame findet keine Ruhe auf dem Lande)
verleitet mich zur Niederschrift meiner Erfahrungen mit dem Wohnen auf
dem Lande: Tatsächlich ist es um die Ruhe am Lande schlecht bestellt. Seriöse Hähne sind mit der Weckzeit 5.30 Uhr programmiert, wenige Minuten später startet der Nachbar seinen alten Traktor neben deinem Schlafzimmerfenster. Gegen 6.30 Uhr biegt der Milchwagen ums Eck, dessen Fahrer sich beharrlich weigert, den Motor abzustellen. Kaum ist er weg, nehmen die Mähmaschinen ihre Route, berechnenderweise vor deinem Hause . . (Jene ärgern dich mitunter auch sonntags, an dem zusätzlich die Kirchenglocken ihr tosend Machwerk vollbringen, und auch die Säue der christlichen Bauern sich trotz der Sonntagsruhe geräuschvoll über ihre Mahlzeit freuen!). Hoffst du auf Ruhe nun, zieht garantiert die örtliche Blasmusikkapelle vorbei. Werktags sind auch Sägewerk, Lieferdienst, Postauto und Freiwillige Feuerwehr nicht lautlos. Der Hofhund, der seine Einsamkeit zu dir hinüberheult, die jaulenden Katzen und ebensolche Motorräder rauben dir nachts den Schlaf. Und dann versuchen dich auch noch die Kinder von nebenan – im Rudel besonders bösartig – an sieben (!) von insgesamt 168 Wochenstunden daran zu erinnern, dass es Leben gibt auf dem Lande! Wann werden die Leute vom Land endlich verstehen, dass geplagte Städter bei ihnen doch nur die Ruhe suchen! |
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Karoline Dinhobl, |
Diese
Dame, die Kinderlachen nicht verträgt, soll wirklich wieder
zurück nach Wien reisen, denn dort gibt es anderen Lärm als
Kinderlachen. Seien wir froh, dass es noch solchen Lärm gibt. Bin auch 70 Jahre und habe 11 Enkel (10–26 Jahre), die seit 26 Jahren zu mir kommen. Meine Nachbarn und ich freuen uns, wenn sich was rührt. Ball spielen, Nachlaufen, Baum kraxeln usw. ist doch gesünder als Fernsehen. Hatte die Dame keine Enkelkinder, dass sie neidisch ist? Arm, solche Kinder, die eine solche Nachbarin haben. Erwachsene können heute ohnehin nicht mehr lachen, lustig sein so wie früher, obwohl es uns nicht so gut ging. Daher lasst die Kinder lachen und fröhlich sein, wer weiß wie lange sie es noch können. Wo gibt es heute noch eine lustige Jugend, nur „Tschin-Bum“. Sie soll mitlachen, wenn sie kann. |
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Susanne Scharf, |
Perfekte
Satire, nur leider falsch verstanden . . . Aufgrund meiner Wortmeldung zum Thema „Zuagroast“ habe ich eine anonyme Zuschrift erhalten, der ich entnehmen kann, dass mein Artikel missverständlich ernstgenommen wurde. Ich ersuche die Redaktion, mir die Klarstellung zu ermöglichen, dass mein Beitrag ironisch gemeint ist. Ich bin selbst Gemeindemitglied von Langau bei Geras, urlaube mit den Kindern im Waldviertel und schätze die Lebendigkeit sowohl des Stadt- als auch des Landlebens. Einen Satz des anonymen Briefes möchte ich in diesem Zusammenhang zitieren, weil er mir aus der Seele spricht: „. . . . möchte ich Sie doch darauf hinweisen, dass gerade die Leute vom Land nicht . . . daran interessiert sind, eine Art Sanatorium für grantige Stadtbewohner zu spielen.“ |
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| Der Beitrag von Susanne Scharf, den wir
veröffentlichten, war eine gelungene Satire auf das
Ruhebedürfnis jener, die von der Stadt aufs Land ziehen und sich
dann über allerlei „Landlärm“ aufregen. Nie hätten wir
gedacht, dass es so viele gibt, die diesen Beitrag so grundlegend
missverstehen könnten: noch immer treffen Briefe bei uns ein, die
Frau Scharf „aufs Korn nehmen“ und ihre (ironisch gemeinten!) Ansichten
kritisieren. Wir bedauern! Die Redaktion |
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Inge Scherff, |
Von unserer Terrasse konnten wir den Blick auf ein
schönes gelbes Rapsfeld genießen. Dahinter wurde das Gelb
von dem Grün des Hochleutenwaldes gedämpft. Von Ferne
hörten wir das monotone Rauschen des Verkehrs von der
Brünnerstraße. Ansonsten störte nichts unseren Frieden. Die Familie bzw. die Eltern halfen lautstark mit. Der Friede dauerte leider nicht lange. Denn Familie K2 bekam
auch Nachwuchs und löste das Kind der Familie K1 voll lautstark
ab. |
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Name und Adresse |
Zu der
erschienenen Meinung der Frau Inge Scherff aus 2203 Großebersdorf
möchte ich dieser Dame folgendes mitteilen: In meiner Heimatgemeinde wurde einmal ein Projekt zur Schaffung von 12 Wohnungen für Jungfamilien am Ortsrand von lieben „Zuagroastn“ aufgrund einer Unterschriftenaktion verhindert mit der Begründung, 12 Jungfamilien bedeuten so und so viele Kinder = unerträglicher Lärm; so und so viele Autos = unerträglicher Lärm. Leider hat unsere Gemeindevertretung damals den der Gemeinde außer Grundsteuern nur Schwierigkeiten bringenden Zweitwohnbesitzern den „Gefallen“ getan und diesen Wohnblock in das Ortszentrum gebaut, wo er aufgrund seiner Größe für alle störend wirkt. Und diesen Egoisten sollen wir, die hier lebende und nicht dahinvegetierende Bevölkerung dankbar sein. Menschen, die der Lärm vergnügter Kinder nervt und die aus purem Eigennutz auf eine freie Aussicht Jungfamilien die Möglichkeit auf ein erschwingliches Heim verwehren, gehören in die unterste Schublade. Wenn Sie der Lärm so stört, tun Sie Ihrer Umgebung den Gefallen und ziehen Sie dorthin, wo es so etwas laut Ihrer Meinung nicht gibt, in die Anonymität der Großstadt. Denn das schöne Rapsfeld ist ja auch schon weg, und dass wahrscheinlich ein Stück weiter noch eines steht, haben sie hinter Ihrem Fenster scheinbar nicht bemerkt. |
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Inge Scherff, |
Übersenden Sie bitte dem Herrn Anonymus meine Antwort auf seinen Artikel unter "Zuagroast". Ich finde es sehr feige, seinen Namen zu verschweigen, wenn man einen anderen Menschen beschimpft. Herr Anonymus! |
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Ursula Fasching, |
Jeder einzelne, ob Einheimische oder Zuagroaste, sollte für sich den Ausdruck „Leben und Leben lassen“ bzw. „Leben und nicht Leben lassen“ einmal ganz gründlich unter die Lupe nehmen und dem Schmutz vor der eigenen Türe mehr Beachtung schenken. Gegenseitige Toleranz hilft in so mancher Situation weiter. Etwas zum Positiven verändern, fängt bei jedem selbst an. | ||
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Name und Adresse |
Es gibt keine vernünftige Lösung, denn
Aufnahmebereitschaft, Akzeptanz und Respekt gegenüber dem Anderen
ist von Dorf zu Dorf sehr unterschiedlich. „Verschwind's dorthin, wos herkommen seids“, rief mir letztens
ein Bauer nach, als ich ihm unglücklich mitteilte, dass sein Hund
bereits unsere fünfte Katze vor meinen Augen totgebissen hatte.
Kein Wort des Bedauerns, keine Entschuldigung. „In unserem Dorf
geschieht was wir sagen“, dass wir fast schon 20 Jahre
dazugehören, weiß er wahrscheinlich gar nicht. |
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DI Günter Hekerle, |
Der obere Artikel zum Thema „Zuagroast“ ist sehr
interessant! Es gibt aber nicht nur Unstimmigkeiten zwischen den
„Zuagroasten“ und der „Urbevölkerung“ sondern auch teilweise in
immer größerem Ausmaß mit der Gemeindeführung. Die Ortschaft, von der ich berichten will, liegt im Süden von Wien. Landwirte haben ihre Äcker parzelliert und an Interessenten verkauft, jedoch nach dem Grundverkauf wollen sie auf die „Zuagroasten“ keinerlei Rücksicht nehmen. Zumal der Ort im Jahre 1971 "freiwillig" mit einer anderen Gemeinde zusammengeschlossen wurde. Als es noch erlaubt war, wurden die Äcker abgebrannt und die Flugasche konnte man im Dachgeschoß finden. Jauche wird oft am Wochenende ausgeführt und Freunde die zu Besuch kommen, können so originale Landluft am Sonntag schnuppern. Die Gemeinde selbst setzt Aktivitäten im Hauptort und nicht im gleichen Ausmaß sinnvoll im eingemeindeten Teil. Die Bevölkerung, die durch mehrere Vereine vertreten ist, wird überhaupt nicht gehört bzw. wird die Kompetenz abgestritten. Die örtlichen Gemeindemandatare sind zu schwach und können sich nicht durchsetzen. Man will helfen und mitgestalten, aber nein! Will man bei diversen Aktivitäten mithelfen und gibt Vorschläge und Anregungen, dann wird man sofort abgeblockt, was will schon ein „Zuagroaster“! Vorschläge und Anregungen sind nicht erwünscht und oft wird sogar das Gegenteil veranlasst. Es gibt viele konkrete Beispiele: z. B.: Ein unterbrochener Hauptstrang der Wasserleitung wurde trotz zeitgerechter und dauernder Urgenz erst nach 27 Jahren repariert und nur deswegen weil ein Gebrechen auftrat. Durch diese Willkür der „Urbevölkerung“ und der Gemeindeführung gegen die „Zuagroasten“, die schon über 30 Jahre hier wohnen wird natürlich ein gedeihliches und harmonisches Zusammenleben erschwert. |
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Fam. Pleßl, |
Schade ist, dass schon 100 km ausreichen können, um
sich gegenseitig nicht mehr zu verstehen. Schade ist, dass wir Menschen der Meinung sind, zuerst käme „nehmen und bekommen“ und danach vielleicht etwas „geben“. Schade ist, dass wir unsere gesunde Anpassungsfähigkeit zu verlieren scheinen. Bei einem Sport- und Museumsverein Mitglied sein zu wollen oder Urlaub an fremdländischen Orten zu verbringen bedeutet immer, für deren Inhalte bzw. Lebensweisen Interesse zu zeigen und sich anzupassen. Sollte man nun seinen Lebensraum zur Gänze oder nur teilweise verlegen wollen, sollte man sich daher mit der neuen Umgebung und deren Fortschritt bestens auseinandersetzen – eine persönliche Punkteliste der Vor- und Nachteile wäre hier bestimmt sehr hilfreich. Danach wird man freundlich lächelnd – die überwiegenden Vorteile genießen und so manchen Nachteil akzeptieren – sehr glücklich und zufrieden sein! |
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Hermann Biber, |
Auch ein Ansässiger, der längere Zeit
ausgewandert war (10 Jahre) kann sich nach seiner Rückkehr unter
Umständen als Zugroaster behandelt fühlen. Besonders dann,
wenn viele Gleichaltrige in seiner Abwesenheit abwanderten. Das
Vorhaben, Erfahrungen sowie Neuerungen mit modernem Denken in seinem
Heimatort einzubringen, scheitert oft kläglich. Da kann es schon passieren, dass man als „Außerirdischer“ betrachtet wird oder gar zur unerwünschten Person erklärt wird! Auch Neid ist vielfach im Spiel – aber den muss man sich bekanntlich redlich verdienen. |
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Pauline Schuch, |
Es ist doch klar, dass man nicht sofort dazugehört, wenn
man von irgend woher in einen Ort zieht. Jene Menschen, die als
Jugendliche in die Großstadt zogen und als Pensionisten wieder in
ihre Heimat ziehen, haben es ein wenig leichter. Man muss sich jedoch
in jeder Situation bemühen und erst einmal mit den Nachbarn
Kontakt suchen. Durch diese Bekanntheit erfährt man auch, wie es in so
einer Gemeinde überhaupt hergeht, welche Gebräuche und
Gepflogenheiten es gibt. Man erfährt, was da so üblich ist
und was nicht alles der öffentlichen Hand überlassen wird. Ob
es Vereine gibt, wo man mit seinen Interessen einen Beitrag leisten
kann oder in diesen Vereinen seine Freizeit gestalten kann. Es gibt in
jeder größeren Gemeinde bzw. in deren engerer Umgebung auch
Anlagen für eine Betätigung im Sport, Sozial-,
Dorferneuerungs-, Verschönerungs- und Kulturbereich. Man muss aber
bedenken, dass viele dieser Anlagen in Eigenregie von den Bürgern
der Gemeinde errichtet, betreut und auch gepflegt werden. Dazu ist es
oft nötig, dass man sich nicht nur mit dem Zahlen des
Mitgliedsbeitrages begnügt, sondern auch persönlich Hand
anlegt und mithilft. Dies sind viele Ebenen, wo man Bereitschaft zeigen
kann, dass man dazugehören möchte.
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